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Keine künstliche Sonne, kein Radium-Wundermittel - diese wissenschaftlichen Prognosen gingen in die Hose

Mit Weissagungen und Prophezeiungen liegen nicht nur Astrologen häufig daneben, wie unsere Beispiele aus Technik und Wissenschaft zeigen.
Christian Satorius
Der Drohnenkrieg lässt grüssen: Bei den ferngesteuerten Flugzeugen hatten die Visionäre recht. (Collage: Martina Regli)

Der Drohnenkrieg lässt grüssen: Bei den ferngesteuerten Flugzeugen hatten die Visionäre recht. (Collage: Martina Regli)

«Der Atomsprenger ist ein Spezialist für Erdbewegungen mit Hilfe von Kernsprengsätzen: Er wird mit einem Knopfdruck ganze Hafenbecken auf einmal ausheben, und das wird gewiss einen imposanten Anblick bieten.»

Atomsprenger ist denn auch einer der wichtigsten Berufswünsche der Jugend, gleich nach Weltraumdetektiv. Das zumindest prophezeite der deutsche Physiker Robert Brenner 1972 in seinem Buch «So leben wir morgen». Mit «morgen» hatte er das Jahr 2000 gemeint.

Wie man zu derartigen Vorhersagen kommt, verriet Brenners Prophetenkollege Kurt Walter Roecken (C. V. Rock) schon im Jahre 1968:

«Wer diese Welt von morgen klar erkennen will, muss nur die bisherige, sich heute bereits real abzeichnende Entwicklung in Gedanken weiterführen.»

Hört sich eigentlich ganz einfach an. Roecken war deshalb ganz und gar davon überzeugt, dass «wir schon ab 1990 das Wetter zu unserem Nutzen beeinflussen können, ab 2000 beherrschen wir dann die Abwehr gegen alle ansteckenden Krankheiten». So weit sind wir zwar auch im Jahr 2018 längst nicht, aber womöglich kommt ja beides noch, nur halt später, hat doch Roecken auch festgehalten:

«Die menschliche Intelligenz lässt sich erst ab 2010 steigern.»

«Für den Tonfilm wird sich niemand begeistern»

Die Vorhersage der Zukunft scheint wohl doch ein wenig komplizierter zu sein. Schade eigentlich. Aber woran liegt es denn, dass viele Prognosen so dermassen daneben lagen? Die gegenwärtige Entwicklung in Gedanken weiterzuspinnen, erscheint ja nicht mal so abwegig, nur kann man sich dabei eben auch ganz gewaltig vergaloppieren, wie Harry M. Warner, einer der Gründer der Filmproduktionsfirma Warner Bros., der sich 1927 nicht vorzustellen vermag, dass sich irgendjemand für den neuen Tonfilm begeistern könnte:

«Wer will schon Schauspieler sprechen hören?»

Neue Erfindungen lassen sich nun einmal schlecht einplanen, können aber andererseits beachtliche Auswirkungen haben. Aus diesem Grund ist es gut zu wissen, dass «alles, was erfunden werden kann, bereits erfunden wurde», wie Charles H. Duell 1899 meinte. Duell war Leiter des US-Patentamtes, der als folgerichtige Konsequenz seiner Erkenntnis auch gleich die Schliessung seiner Behörde beantragte. Wenn nichts mehr erfunden wird, braucht es auch kein Patentamt.

Manchmal ist es aber auch das liebe Geld, das nicht ausreicht, die Utopien der Visionäre zu finanzieren. So waren die bei schlechtem Wetter über den Trottoirs ausklappenden Regenstoren, die Edward Bellamy 1887 prophezeite, noch eine recht kostengünstige Variante im Vergleich zur Idee des Architekten Richard Buckminster Fuller. Der wollte ganz New York City überdachen.

Eine künstliche Sonne über Moskau

Noch teurer wäre vermutlich die künstliche Sonne des russischen Ingenieurs G. I. Babat von 1941 geworden. Diese Sonne hätte in 20 bis 30 Kilometern Höhe ganz Moskau mittels elektromagnetischer Strahlung zum Leuchten bringen sollen. Vorstellbar ist, dass es bei der Verwirklichung der Hochfrequenzsonne ein klitzekleines Energieproblemchen hätte geben können.

Überhaupt wird bei vielen Zukunftsfantasien gerne der Energieaufwand vernachlässigt, der nötig wäre, um all die schönen Visionen von einer besseren Welt Realität werden zu lassen. Leider irrte sich nämlich auch Charles P. Steinmetz, Chefingenieur von General Electrics, als er 1915 im «Ladies Home Journal» vorhersagte:

«Elektrizität wird in Zukunft so billig sein , dass es sich dann nicht mehr lohnt, sie überhaupt abzurechnen oder gar zu bezahlen».

Hie und da gab es auch schon vor 100 Jahren einige Spielverderber, die so ihre Zweifel an der Technikbegeisterung und Fortschrittsgläubigkeit ihrer Zeitgenossen hatten. Spätestens 1912 mit dem Untergang der als «unsinkbar» betitelten «Titanic», dem Aushängeschild der damaligen Ingenieurskunst, wurden es immer mehr. Nach und nach begann man zu begreifen, dass technischer Fortschritt auch negative Auswirkungen haben kann, wie etwa Umweltzerstörung oder Klimaveränderung. Man erkannte zunehmend, dass nicht alles, was technisch möglich ist, auch um jeden Preis verwirklicht werden muss.

Unbegrenzt haltbares Kobaltschnitzel

Aber 1959 noch wähnte sich Sachbuchautor Diether Stolze «den Göttern gleich», als er sein Loblied auf radioaktiv bestrahlte Lebensmittel anstimmte. Vor allem das «unbegrenzt haltbare Kobaltschnitzel» hatte es ihm angetan, von dem er annahm, es könne durchaus «zur Volksnahrung von morgen werden».

Stolze war nicht der Einzige, der sich für die Kraft, die in den Atomen steckt, begeistern konnte. Noch 1928 wurde «Radithor», ein mit Radium versetztes Wasser, als Wundermittel gegen so ziemlich alle Beschwerden, die man sich überhaupt vorstellen kann, verkauft. Erst als durch dieses «Lebenselixier» ein bekannter amerikanischer Industrieller starb und der New Yorker Zahnarzt Theodor Blum bei einigen seiner Patientinnen den sogenannten «Radiumkiefer» diagnostizierte, kamen erste Zweifel an der allumfassenden Wunderkraft des Radiums auf.

Nicht alle lagen daneben

Doch trotz solcher Beispiele: Nicht immer lagen die Visionäre daneben: Der deutsche Ingenieur Hans Dominik etwa prophezeite in seinen «Triumphen der Technik» von 1928, dass eines Tages «Luftgefechte mit ferngesteuerten Flugzeugen ausgetragen» würden. Der Drohnenkrieg liess schon früh grüssen.

In den meisten Fällen aber gilt, was der kanadische Science-Fiction-Autor Stephen Michael Stirling so auf den Punkt gebracht hat:

«Nichts altert schneller als die Zukunft von gestern.»

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