Kolumne

«Querbeet»: Mit diesem Trick erhält biologischer Küchenabfall ein zweites Leben

In ihrer Kolumne schreibt unsere Autorin Silvia Schaub diese Woche über den Regrowing-Trend, mit dem Hobbygärtner auf der ganzen Welt Küchenabfälle reduzieren.

Silvia Schaub
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Salate eignen sich fürs Regrowing besonders gut.

Salate eignen sich fürs Regrowing besonders gut.

Bild: Silvia Schaub

Bestimmt haben Sie beim Grossverteiler schon Salate samt Erde und Würzelchen gesehen oder sogar gekauft. Sie sollen damit angeblich länger haltbar sein – sofern sie regelmässig feucht gehalten werden. Wovon nichts steht, ist, dass sie eigentlich ein Steilpass zu noch viel mehr sind: Zum Regrowing-Trend, der perfekt in die verrückten Zeiten passt. Regrowing bedeutet, dass man die Pflanzen nachwachsen lässt. Dahinter verbirgt sich ein Prinzip, das die meisten Hobbygärtner unter Stecklingsvermehrung kennen. Und das lässt sich auch gut auf der Fensterbank in der Wohnung umsetzen.

Also machen wir ein bisschen auf Selbstversorger. Das freut sicher auch die Kinder, die bestimmt Spass am Anbau haben. Denn aus Gemüseabfällen lässt sich einfacher als vermutet neues Leben gewinnen. Natürlich wird man damit nicht vollumfänglich über die Runden kommen. Aber es ist ein Anfang – und ein kleines Zeichen gegen Food-Waste. Schliesslich gehören wir Schweizer mit jährlich über 700 Kilo pro Person zu den grössten Haushaltabfallsündern.

Wasser muss regelmässig gewechselt werden

Das Vorgehen ist bei den meisten Pflänzchen ziemlich einfach. Anstatt den Strunk wegzuwerfen, wird er für ein paar Tage in ein Glas mit Wasser gestellt. Damit das Ganze gelingt, sollte er nicht kleiner als fünf Zentimeter sein, ausserdem muss das Wasser regelmässig gewechselt werden. Schon bald werden Sie sehen, dass sich die ersten Würzelchen bilden. Dann kann der Strunk bereits in einen Topf mit etwas Erde (am besten Anzuchterde ohne Torf) gesetzt werden.

Salate eignen sich fürs Regrowing besonders gut. Zupft man jeweils nur die äusseren Blätter ab, kann man lange davon profitieren. Auch Frühlingszwiebeln, Selleriestängel oder Lauch sind für Einsteiger ideal, besonders in der aktuellen Saison. Haben Sie ein paar alte Kartoffeln, die Sie eigentlich entsorgen wollten? Die sind perfekt, wenn sie bereits ausschlagen.

Ihr Regrow-Gemüse sollte einen guten Standort mit genügend Licht und Wärme um 20 °C haben. Dann kann fast nichts mehr schiefgehen. Später im Jahr können sie auch direkt im Topf ins Freie gestellt oder im Garten eingesetzt werden. Gute Starthilfe findet man im Buch «Regrow your Veggies» (Ulmer-Verlag, ca. 24 Fr.).

Melissa Raupach, Felix Lill: Regrow your VeggiesUlmer-Verlag 2018,128 S.

Melissa Raupach, Felix Lill:
Regrow your Veggies
Ulmer-Verlag 2018,
128 S.

Das Praxisbuch zeigt, wie man mehr als 20 vermeintliche Küchenabfälle durch Regrowing beinahe endlos nachwachsen lassen kann. Dank einem Regrow-Check findet man zu jeder Pflanze das Wichtigste in Kürze und auf einen Blick.

Wer übers Anfangsstadium hinaus ist und es ambitionierter mag, kann sich zum Beispiel an einer Ananas versuchen. Sie ist sozusagen die Königsdisziplin. Es braucht ein wenig Glück und sehr viel Liebe, dann kann man nach ungefähr drei Jahren eine eigene Mini-Ananas geniessen.