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BEZIEHUNG: Aus Streitigkeiten sind Machtkämpfe geworden

Meine Frau und ich (35 und 38) haben uns immer schon regelmässig gestritten. Es hat uns nicht gestört, da wir meistens eine Lösung gefunden und uns wieder vertragen haben. Seit einem Jahr aber werden Konflikte immer länger und härter. Und wir drehen uns im Kreis. So beharrt meine Frau darauf, dass ich mehr mit ihr unternehmen soll.
Birgit Kollmeyer
Wenn Streit in Machtkämpfe ausarten, dann ist dies Gift für jede Beziehung. (Bild: Getty)

Wenn Streit in Machtkämpfe ausarten, dann ist dies Gift für jede Beziehung. (Bild: Getty)

Was Sie beschreiben, klingt nach Machtkämpfen – und diese sind Gift für die Beziehung: Jeder versucht, sich um jeden Preis durchzusetzen, keiner geht auf die Wünsche und Bedürfnisse des anderen ein, die Kommunikation wird immer schlechter. Es kann so weit gehen, dass jeder das Gegenteil von dem tut, was der andere gerne möchte, damit dieser keinen «Sieg erringt». Das ist sehr anstrengend und geht auf Kosten der Liebesgefühle, wodurch es am Ende nur Verlierer gibt.

Es gibt nur einen Weg: damit aufhören. Fragen Sie sich statt­dessen, was bei Ihnen hinter den Machtkämpfen steht. Womit sind Sie beide unglücklich oder unzufrieden? Sind es grundsätzliche Dinge in Ihrer Beziehung, wichtige Themen oder unerfüllte Bedürfnisse, die besprochen werden sollten? Überlegen Sie jeder für sich, was sich in Ihrer Beziehung un­bedingt ändern sollte, damit Sie zufriedener sein können.

Wünsche statt Vorwürfe

Beschränken Sie sich beidseitig auf je drei Aspekte, die Ihnen am wichtigsten sind. Es ist hilfreich, sie aufzuschreiben, um sie dem anderen dann ruhig sagen zu können. Vermeiden Sie Vorwürfe. Sie können das, was Sie damit sagen wollen, immer auch als Wunsch formulieren (zum Beispiel statt «Nie bekomme ich Anerkennung von dir.» «Ich brauche es, von dir zu hören, was ich gut mache.»)

Auch hinter den Forderungen Ihrer Frau stehen vermutlich unerfüllte Bedürfnisse.

Wissen Sie, worum es Ihr geht, wenn sie mehr unternehmen will? Fragen Sie sie! Und auch, warum sie dies gerade mit Ihnen tun möchte. Will sie mit Ihnen schöne Erlebnisse teilen, um sich mit Ihnen als Paar zu erleben und das Wir-Gefühl zu erhalten? Wenn dies so wäre, könnten Sie sich vorstellen, auf dieses Bedürfnis Ihrer Frau einzugehen – vielleicht weil auch Ihnen Ihre Partnerschaft immer noch wichtig ist?

Das bedeutet aber nicht, dass Sie eigene Interessen aufgeben sollen. Erzählen Sie Ihrer Frau, warum Sie dies brauchen, was Ihnen Ihre Interessen bedeuten.

Nicht nur Symbiose

Neben Zweisamkeit und gemeinsamen Erlebnissen ist es für jeden Menschen wohltuend, auch individuelle Bereiche zu haben und sich als Einzelperson weiterentwickeln zu können. Auch für die Partnerschaft ist es wichtig, nicht symbiotisch aneinander zu kleben, sondern ein bisschen Luft zwischen sich zu lassen. Denn das beugt der Langeweile vor und erhält die Spannung.

Eine Balance in Ihrer Partnerschaft erreichen Sie, wenn Sie die Bedürfnisse von Ihnen beiden als gleichwertig ansehen, statt die eigenen Interessen durchsetzen zu wollen und gegeneinander zu kämpfen. Sehen Sie es als gemeinsame Herausforderung, die Erfüllung der Bedürfnisse von beiden unter einen Hut zu bekommen. Dazu brauchen Sie den Willen, dem anderen zuzuhören und ihn zu verstehen, sowie Kompromissbereitschaft, um gemeinsam Lösungswege zu finden.

Birgit Kollmeyer

Dipl. Psychologin, Paar- und Sexualtherapie, Bern

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