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Ratgeber

Bin ich homosexuell? Und wie könnte ich mich outen?

Ich (18 Jahre, w) fühle mich in letzter Zeit zu einer Frau hingezogen. Wie weiss ich, ob ich homo­sexuell bin? Könnte ich so leben und mich dann trotzdem für einen Mann entscheiden? Ich weiss, dass meine ­Familie Mühe hätte, wenn ich lesbisch wäre. Doch sollte es tatsächlich der Fall sein: Wie könnte ich mich outen?
David Siegenthaler*

Der Ursprung von Homosexualität ist wissenschaftlich unklar. Klar ist, dass die sexuelle Orientierung nicht wählbar ist. Laut einer Befragung haben 29 Pro­zent aller männlichen und 41 Prozent aller weiblichen Teenager der Deutschschweiz schon homosexuelle Erfahrungen gemacht (Studie Queer.de). Dies meist, um sich mit dem eigenen Geschlecht vertraut zu machen und sich selbstbewusster und erfahrener dem anderen Geschlecht zu widmen. 5 bis 10 Prozent aller Menschen sind homosexuell. Einige wissen es schon vor der Pubertät.

Doch wie findet man es heraus? Die Wahrnehmung eigener Gedanken und Emotionen helfen, der sexuellen Orientierung näherzukommen (inneres Outing). Achten Sie darauf, wie Sie sich im Kontakt zu den Geschlechtern fühlen. Bei welchen Personen nehmen Sie Anziehung, Liebe oder ein erotisches Gefühl wahr? Bei welchen Personen fühlen Sie sich wohl, spüren eine Ver­bundenheit und Vertrautheit? Welche kommen Ihnen bei sexuellen Fantasien in den Sinn?

Die Angst vor dem Risiko

Viele Menschen wissen, dass sie bi- oder homosexuell sind. Aber sie denken, dass dies nicht sein darf. Eine grosse Angst könnte sein, den Job, die Familie oder Freunde zu verlieren. Wann ist die Gesellschaft bereit für Ver­änderung? Und was sind Sie be­reit, dafür zu riskieren? Es bleibt abzuwägen, ob Verstecken oder ein Outing sinnvoller für Sie ist.

Ein äusseres Outing erfordert viel Mut, fördert aber auch die Persönlichkeitsentwicklung und fühlt sich befreiend an. Danach kann ein Teil, der im Leben essenziell ist, wirklich gelebt werden. Stellen Sie sich vor, wie anstrengend es umgekehrt wäre, wenn eine heterosexuelle Frau verstecken müsste, dass sie einen Mann liebt. Es tut gut, wenn wir uns als Menschen so zeigen können, wie wir sind.

Das Outing üben

Für ein Outing kann man die Strategie anwenden, das Thema Homosexualität all­gemein anzusprechen (etwa eine berühmte Person erwähnen), um zu ertasten, wie das Gegenüber zum Thema eingestellt ist. Wenn die Person negative Äusserungen macht, muss dies nicht bedeuten, dass man sich nicht outen soll. Manche Menschen haben sich einfach noch nicht mit dem Thema befasst. Der Verarbeitungsprozess dauert einige Zeit. Wenn diese Person eine gute Beziehung zu Ihnen hat, besteht die Chance, dass sie ihre Haltung ändert. Wenn aber ein Mensch den Kontakt zu Ihnen abbricht, fragen Sie sich, ob Sie jemanden, der Sie nicht akzeptiert, weiterhin zu Ihren Bezugspersonen zählen wollen.

Suchen Sie Rat?

Schreiben Sie an: Ratgeber «Luzerner Zeitung» Maihofstrasse 76, 6002 Luzern E-Mail: ratgeber@luzernerzeitung.ch Bitte geben Sie bei Ihrer Anfrage Ihre Abopass-Nummer an.

Outing kann geübt werden. Je sicherer Sie sich mit dem Thema fühlen, desto mehr ist es normal und kann kommuniziert werden. Es hilft, sich zuerst bei Leuten zu outen, die auch homosexuell sind. Oder bei einer Person, der Sie vertrauen. Oft werden nach einem Outing Fragen gestellt. Interpretieren Sie diese als Interesse an Ihnen. Helfen Sie dem Gegenüber zu verstehen, dass Sie immer noch die gleiche Person sind.

*David Siegenthaler dipl. psychologischer Berater zert. Sexual- und Paarberater Paar- und Einzelberatung leb www.leb-zug.ch

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