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Burn-out: Wie soll man sich als Kollege verhalten?

Wir sorgen uns um einen guten Kollegen (39), der offenbar an einem Burn-out leidet und seit zwei Wochen krank geschrieben ist. Auf mich wirkt er «abgelöscht». Im Freundeskreis fragen wir uns, wie man sich in dieser Situation verhalten soll? Soll man das Thema Burn-out ansprechen? Wie kann man am besten helfen?

Dr. Lars Pracejus*
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Zuerst einmal ist es wertvoll, dass der Freundeskreis darauf aufmerksam geworden ist und sich um den ihm nahe stehenden Menschen sorgt. Das zeugt von einem stabilen Zusammenhalt, den der Betroffene in seinem sozialen Netzwerk hat. Möglicherweise bemerkt man in diesem Netzwerk Veränderungen einer Person sogar noch eher als der Betroffene selbst.

Dr. Lars Pracejus.

Dr. Lars Pracejus.

Grundsätzlich kann in solchen Situationen ein Gesprächsangebot immer hilfreich sein. In diesem können Sie Ihre Beobachtungen zurückmelden, wodurch sich der Betroffene verstanden fühlen kann. Über Gefühle und Ängste sprechen zu dürfen, kann bereits entlastend sein und ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Sprechen und Verstandenwerden kann innere Prozesse öffnen und weitere Behandlungsangebote möglich machen. Für ein Gesprächsangebot sollten Sie als nahestehende Person idealerweise selbst in einer stabilen Verfassung sein und einen geeigneten Ort sowie Zeitpunkt auswählen.

Auch Mitgefühl zeigen und Schweigen aushalten

Dabei darf es auch in Ordnung sein, wenn ein solches Gesprächsangebot ausgeschlagen wird. Bitte drängen Sie keinesfalls auf ein Gespräch, sondern geben sich lieber bei Gelegenheit eine neue Chance.

Wenn die betroffene Person sprechen möchte, sind zuhören und Mitgefühl zeigen sehr wichtig. Oftmals fehlen zwar in solchen Fällen die richtigen Worte, man darf deshalb auch ein Schweigen aushalten. Vermeiden Sie auf jeden Fall Schuldzuweisungen, allgemeine Ratschläge und gut gemeinte Bagatellisierungen wie «Das geht schon wieder vorbei!». Dadurch fühlt sich der Betroffene nicht ernst genommen.

Vergleiche mit sich selber sind nicht hilfreich

Sprechen Sie auch nicht von möglichen eigenen Problemen, denn Vergleiche helfen in der individuellen Situation nicht weiter. Bitte stellen Sie auch keine Diagnosen, damit sich der Betroffene nicht abgestempelt fühlt. Beenden sie das Gespräch in einfühlsamen Worten, wenn es einem von Ihnen beiden zu viel wird, und vertagen Sie sich gegebenenfalls.

Das Reden darüber bedeutet natürlich nicht, dass sich der belastete psychische Zustand in Luft auflöst. Als Angehöriger oder Freund sollten Sie auch nicht von sich selbst erwarten, die psychische Ausnahmesituation lösen zu können.

Behilflich sein bei Suche nach Fachperson

Erkennen Sie eigene Grenzen an und teilen Sie diese ehrlich mit. Weitere Hilfe oder Gespräche dürfen Sie nur anbieten, wenn Sie sich selber nicht überfordern. Behandeln Sie nach dem Gespräch das Erfahrene vertraulich. Beachten Sie Ihren eigenen Zustand, denn wenn Sie selber belastet und erschöpft sind, können Sie anderen weniger helfen. Wenn der Zustand anhält oder sich verschlechtert, wird es angemessen sein, eine Fachperson zu konsultieren. Auch dieses Angebot können Sie behutsam vorschlagen oder Ihre Unterstützung bei der Suche sowie die Hinfahrt anbieten.

* Dr. Lars Pracejus ist leitender Psychologe der Seeklinik Brunnen SZ; www.seeklinik-brunnen.ch.

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