Ratgeber

Darf ich während der Coronakrise schwanger werden?

Wir (Mitte 30) wünschen uns ein weiteres Kind. Wie sieht es mit einer Schwangerschaft während der Coronazeit aus? Was muss man bedenken? Was wäre, wenn ich mich mit dem Virus anstecken würde?

Dr. med. Markus Hodel*
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Viele Paare mit Kinderwunsch und auch schwangere Frauen sind verunsichert und stellen sich diverse Fragen: Soll ich jetzt überhaupt schwanger werden, oder wäre es besser, die gewünschte Schwangerschaft aufzuschieben? Wie verläuft eine Covid-19-Infektion in der Schwangerschaft, welche Auswirkungen hat diese Erkrankung für mich und das Baby? Sind Langzeitfolgen zu erwarten? Wie kann ich mich und mein werdendes Kind schützen? Haben Schwangere mit Vorerkrankungen (z. B. Herzfehler, Asthma) ein höheres Risiko?

Dr. med Markus Hodel

Dr. med Markus Hodel

Die gute Nachricht: Nach heutigem Wissensstand zählen Schwangere bei einer Coronavirus-Infektion nicht zur Risikogruppe. Es gibt aktuell keine Hinweise, dass Schwangere bei einer Covid-19-Erkrankung besonders gefährdet sind. Es ist deshalb zu erwarten, dass die meisten gesunden Schwangeren bei einer allfälligen Infektion keine oder nur leichte bis mittelschwere Symptome wie bei einer Erkältung oder Grippe erleben.

Konkret bedeutet dies, dass Frauen mit einem positiven Kinderwunsch auch in diesen Zeiten schwanger werden sollen. Seit gestern Montag führen deshalb auch alle Kinderwunschzentren in der Schweiz wieder Abklärungen und Therapien bei unerfülltem Kinderwunsch durch.

Festzuhalten ist dagegen, dass bei einer vorbestehenden Herz- oder Lungenerkrankung mit einem schwereren Verlauf der Infektion zu rechnen ist. Schwangere mit einer entsprechenden Vorerkrankung müssen deshalb vorsichtiger sein, Hygiene- und weitere Verhaltensregeln (insbesondere Social Distancing) müssen am Arbeitsplatz zwingend eingehalten werden. Falls dies nicht möglich ist, gilt es Risiko-Schwangere mit einem Arbeitsverbot zu belegen.

Kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen

Bisher sind bei einer Coronainfektion von Schwangeren folgende Komplikationen bekannt: Bei zirka 10 Prozent entwickelt sich eine Wachstumsverzögerung bei den Feten, zudem kann es nach 34 oder 35 Schwangerschaftswochen etwas gehäuft zu einer Frühgeburt kommen. Diese Erkrankungen sind im Ultraschall aber gut zu erkennen und gut therapierbar. Es findet keine Übertragung der Infektion von der Mutter auf das Kind statt, und es besteht kein Fehlbildungsrisiko für das Kind.

Erreger nicht in Muttermilch

Eine Spontangeburt in Anwesenheit des Partners ist weiterhin möglich. Gleiches gilt für das Stillen unter Einhaltung der allgemeinen Hygienemassnahmen. Der Erreger wurde bis jetzt nicht in der Muttermilch nachgewiesen.

Neugeborene von an Covid-19 erkrankten Müttern müssen vor einer Infektion geschützt werden. Eine generelle räumliche Trennung nach der Geburt ist nicht notwendig. Ebenso kann der Papi auf der Mutter-Kind-Abteilung anwesend sein.

Neugeborene können an Covid-19 erkranken, die aktuellen Daten sprechen allerdings dafür, dass der Krankheitsverlauf milde verläuft. Langzeitfolgen sind aufgrund der kurzen Beobachtungszeit nicht zu beurteilen.

* Dr. med. Markus Hodel ist Chefarzt Geburtshilfe und Feto-Maternale Medizin an der Frauenklinik des Luzerner Kantonsspitals, www.luks.ch

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