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«Dass Pornos immer verfügbar sind, ist ein Problem»

Das Internet und die sozialen Medien verändern unsere Sexualität. Das macht den Männern zunehmend zu schaffen, meint Urologe Dr. Markus Margreiter. Auf zur Sprechstunde.
Dennis Frasch/watson.ch
Bild: Shutterstock

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Herr Margreiter, Erektionsstörungen betreffen immer mehr jüngere Leute, schreiben Sie und sehen die Ursache allem voran in der Digitalisierung der Sexualität. Wieso?

Markus Margreiter: Dass die Patienten immer jünger werden, ist eine Beobachtung, die ich persönlich mache. Die Jüngsten sind um die 20. Bei Jugendlichen kommt es durch soziale Medien, Tinder und vor allem der Internet-Pornografie zu einem anderen Erleben der Sexualität.

Das heisst?

Es ist so, dass uns heute alles online zur Verfügung steht und unsere Fantasie gar nicht mehr gefordert ist. Auch lassen sich mit nur wenigen Klicks immer extremere Inhalte anschauen. Erste Studien deuten darauf hin, dass es deswegen zu einer veränderten Architektur von Gehirnarealen kommt, die für die Ausschüttung von Belohnungssubstanzen zuständig sind.

«Wenn der Pornokonsum jedoch ergänzend zum normalen Ausleben der Sexualität stattfindet, dann ist das völlig in Ordnung.»

Die Erektionsstörungen treten also auf, weil die Fantasie durch Pornos bereits übersättigt ist und das echte Leben dem gar nicht mehr das Wasser reichen kann?

Genau. Wobei ich Pornografie an sich gar nicht verteufeln möchte. Das Problem liegt in deren stetigen Verfügbarkeit im Zeitalter der digitalen Sexualität. Zudem besteht eine Schere zwischen der Realität und dem, was man in den Videos zu sehen bekommt.

Wie oft kann man Pornos schauen, ohne in ein problematisches Konsummuster zu fallen?

Es gibt bisher keine gute Definition, ab wann man von einer Pornosucht spricht. Aus medizinischer Sicht verhält sich das gleich wie bei anderen Suchterkrankungen. Es kann von einer Störung gesprochen werden, sobald es zu Problemen im normalen Leben kommt. Ein guter Indikator von Missbrauch ist, wenn die sexuelle Befriedigung nur noch über den Pornokonsum läuft und alltägliche Aktivitäten vernachlässigt werden. Wenn der Pornokonsum jedoch ergänzend zum normalen Ausleben der Sexualität stattfindet, dann ist das völlig in Ordnung.

Bild: zvg

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Urologe und Autor

Dr. Markus Margreiter leitete bis 2016 als assoziierter Professor die Ambulanz für Andrologie und Erektile Dysfunktion an der Wiener Universitätsklinik für Urologie. Er betreibt jetzt ein Männergesundheitszentrum in Wien. Am 21. September erscheint sein Buch «Mann 2020». Darin erklärt er, was jeder Mann selbst zur Erhaltung seiner Manneskraft tun kann, welche modernen Methoden die Medizin über Viagra hinaus beisteuern kann und wie der männliche Körper funktioniert.

Bei Tinder erschliesst sich mir die Verbindung zu Erektionsstörungen jedoch nicht.

Tinder führt zu einem veränderten Verständnis von Sexualität. Wir verlernen das normale Ansprechen einer Person in Alltagssituationen, die partnerschaftliche Kommunikation geht vergessen. Dies kann wiederum zu Stress im echten Leben führen.

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