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Ratgeber

Epileptischer Anfall: Wie verhalte ich mich richtig?

Ein Bekannter (m., 43) leidet an Epilepsie. Kürzlich war ich mit ihm zusammen, als er innert drei Stunden zwei Anfälle hatte. Wie verhält man sich richtig bei einem plötzlichen Anfall? Was sollte man tun und was nicht?
Prof. Dr. med. Ulrich Roelcke*
Prof. Dr. med. Ulrich Roelcke.

Prof. Dr. med. Ulrich Roelcke.

Epileptische Anfälle beginnen abrupt und dauern meist nur wenige Minuten. Je nach Ursprung eines Anfalles im Gehirn können verschiedene Symptome auftreten: Zuckungen der Extremitäten, Gefühlsstörungen, Sprachblockaden, trance-artige Zustände mit vermindertem Bewusstsein («Absence»), Wahrnehmung von Sinnesein-drücken, die nicht echt sind («Aura), Bewusstseinsverlust mit Stürzen.

Während und nach einem Anfall können Betroffene verwirrt oder orientierungslos wirken. Häufig erinnert sich der betroffene Mensch nicht an den Anfall, dieser kann dann nur durch anwesende Personen identifiziert werden. Oft sind Anfälle von vegetativen Symp-tomen wie schnellem Puls, Anstieg des Blutdrucks, Änderung der Gesichtsfarbe, Urin­verlust begleitet.

Grundsätzlich ist es am wichtigsten, ruhig zu bleiben und Betroffene vor Verletzungen zu schützen. Die meisten Anfälle sind nicht gefährlich und nach wenigen Minuten vorbei. Folgende vier Punkte müssen beachtet werden.

Person hinsetzen oder flach auf den Boden legen

1. Die betroffene Person muss davor geschützt werden, dass sie sich verletzt. Es ist deshalb sinnvoll, die Person hinzusetzen oder flach auf den Boden zu legen und direkt neben der Person den Anfall abzuwarten. Wichtig ist vor allem, auf den Kopf zu achten. Man kann etwa eine Jacke oder ein Kissen unter den Kopf legen und gefährliche Gegenstände ausser Reichweite bringen. Auf keinen Fall sollte die Person während des Anfalls festgehalten oder zu Boden gedrückt werden. Dem Anfall sollte man seinen Lauf lassen. Bei Bewusstlosigkeit sollte die Person in eine stabile Seiten-lage gebracht werden.

Sitzt die Kleidung eng am Hals, sollte man sie lockern. Es kann passieren, dass sich der Betroffene auf die Zunge beisst. Man soll jedoch während des Anfalls nicht den Mund öffnen oder einen Gegenstand zwischen die Zähne schieben. Bei Anfällen ohne Bewusstseins­veränderung sollte man beruhigend auf die Person einwirken. Hektik und zu hartes Anfassen könnten sie zu unerwarteten Reaktionen verleiten. Besser ist es, Halt und Nähe zu vermitteln, verständnisvoll zu bleiben und einfach da zu sein. Dies ist auch nach einem überstandenen Anfall hilfreich.

2. Manche Menschen mit Epilepsie tragen ein Notfallmedikament bei sich. Dauert ein Anfall länger an oder tritt ein zweiter Anfall auf, kann das Medikament als Tablette in die Wangentasche oder unter die Zunge gelegt werden, wo es sich auflöst und schnell eine anti-epileptische Wirkung zeigt.

Wann der Notfall benachrichtigt werden muss

3. Der Notfalldienst muss benachrichtigt werden, wenn ein Anfall länger als fünf Minuten dauert, mehrere Anfälle hintereinander auftreten, Atemprobleme entstehen oder es zu Verletzungen kommt. Ebenfalls, falls es der erste Anfall war oder die betroffene Person nicht wieder zu Bewusstsein kommt. Es ist sinnvoll, sich genau zu merken, wie der Anfall abgelaufen ist. Genaue Beobachtungen können Ärztinnen und Ärzten später bei der Diagnose helfen.

4. Nach einem Anfall kann die Person einige Zeit benötigen, um wieder zu sich zu kommen. Vielleicht hat sie einen Wunsch oder braucht Orientierung. Manche Menschen sind sehr müde und möchten sofort schlafen. Sie werden am besten in die stabile Seitenlage gebracht. Wenn während eines Anfalls ungewollt Urin abgeht, kann eine Decke oder Jacke Schutz und Wärme bieten.

* Prof. Dr. med. Ulrich Roelcke ist Facharzt für Neurologie, Leiter Neuroonkologie und Epilepsie-Ambulanz, Luzerner Kantonsspital, www.luks.ch.

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