Ratgeber

Erbschaft: Was für Informationsrechte haben die Erben?

Meine Mutter ist kürzlich verstorben. Erben sind mein Bruder und ich. Mein Bruder hat für unsere Mutter die letzten Jahre alles Administrative erledigt. Unter anderem hat meine Mutter ihre Wohnung an meinen Bruder verkauft. Ich möchte wissen, was die letzten Jahre gelaufen ist und welche Vermögenswerte noch vorhanden sind.

Sabrina Meier*
Hören
Drucken
Teilen
Sabrina Meier.

Sabrina Meier.

Mit dem Tod Ihrer Mutter treten Sie und Ihr Bruder als Erben in alle Rechte und Pflichten Ihrer Mutter und damit auch in die ihr zustehenden Informationsrechte ein. Sie können die Informationen direkt bei der Teilungsbehörde, bei der Steuerbehörde, bei den Banken und beim Grundbuchamt beschaffen.

Erbenbescheinigung

Um Ihre Informationsrechte ausüben zu können, benötigen Sie eine Erbenbescheinigung. Diese Erbenbescheinigung haben Sie in einem ersten Schritt von der zuständigen Teilungsbehörde anzufordern. Gleichzeitig können Sie von der Teilungsbehörde auch die Zustellung sämtlicher Nachlassakten verlangen.

Nach Erhalt der Erbenbescheinigung können Sie damit bei der Steuerbehörde alle Steuererklärungen Ihrer Mutter mit sämtlichen Beilagen anfordern, soweit diese noch vorhanden sind (d. h. mindestens 10 Jahre zurück). Aus diesen Steuererklärungen mit Beilagen ersehen Sie insbesondere, über welche Bankkontenverbindungen Ihre Mutter verfügte. Zudem können Sie diesen Dokumenten die Grundstücknummer der ehemaligen Wohnung Ihrer Mutter entnehmen. Danach ist es Ihnen möglich, mit der Erbenbescheinigung bei allen Banken, bei welchen Ihre Mutter Konten hatte, Bank­kontoauszüge mit sämtlichen Bankkontenbewegungen seit Eröffnung des Kontos bis heute bzw. bis zur Saldierung anzufordern, soweit diese Unter­lagen bei den Banken noch verfügbar sind.

Auskunftspflicht

Die gesetzliche Aufbewahrungsfrist beträgt 10 Jahre. Die Auskunftspflicht der Bank ergibt sich aus der auftragsrechtlichen Rechenschafts­ablagepflicht. Als Erbe Ihrer Mutter sind Sie in deren Informationsrechte gegenüber der Bank eingetreten.

Weiter können Sie beim zuständigen Grundbuchamt unter Vorlage der Erbenbescheinigung eine Kopie des Kaufvertrages der Wohnung anfordern. Diesem ist zu entnehmen, zu welchen Be­dingungen Ihre Mutter die Wohnung an Ihren Bruder verkauft hat.

Pflichtteil einhalten

Nachkommen sind untereinander für grössere Schenkungen, insbesondere von Grundstücken, zur erbrechtlichen Ausgleichung verpflichtet, ausser sie sind von der Erblasserin ausdrücklich von der Ausgleichspflicht befreit worden.

Bei einer Befreiung von der Ausgleichspflicht kann aber eine Pflichtteilsverletzung vorliegen, welche der übergangene Erbe mit der Herabsetzungsklage innert eines Jahres seit Kenntnis der Pflichtteilsverletzung geltend machen kann. Als Miterbe ist Ihr Bruder zudem gesetzlich verpflichtet, Ihnen alles mitzuteilen, was für die Erbteilung von Bedeutung ist, insbesondere auch lebzeitige Zuwendungen bzw. Schenkungen Ihrer Mutter.

* Sabrina Meier, MLaw, ist Rechtsanwältin/Notarin, Vetsch Rechtsanwälte, Luzern/Hochdorf; www.vetsch-rechtsanwaelte.ch

Lesen Sie auch:
Ratgeber

Weshalb kann ich abends häufig kaum einschlafen?

Seit Monaten habe ich (m, 77) Mühe, abends im Bett den Schlaf zu finden. Oft liege ich noch anderthalb Stunden wach und höre die Turmuhr schlagen, obwohl ich seit Geburt nahe der Kirche wohne. Was soll ich tun?
Dr. med. Sebastian Zaremba*
Ratgeber

Wie vermeide ich es, als Chef ausgenützt zu werden?

Ich bin Führungskraft in einem kleineren Unternehmen mit zehn Mitarbeitenden. Da ich ständig vieles erledige, was eigentlich meine Mitarbeitenden erledigen müssten, fühle ich mich permanent überlastet und ausgelaugt. Wie kann ich dieses Verhalten ändern, um mehr Zeit für meine eigenen Aufgaben zu bekommen?
Lic. phil. Irène Wüest*
Ratgeber

Warum habe ich weniger Selbstvertrauen als die Männer?

Ich (w, 45) kann in vielen Situationen weniger selbstbewusst auftreten als Männer. Und mir scheint, ich bin damit nicht alleine. Warum lassen sich Frauen rascher verunsichern oder trauen sich weniger zu, etwa wenn sie auf Stellensuche sind? Und wie lässt sich das ändern?
Andrea Munz *