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Ratgeber

Im Alltag fällt es mir schwer, mich auf Sex einzulassen

Seit der Alltag durch unsere Kinder turbulenter geworden ist, fällt es mir (weiblich, 34) schwer, mich auf Sex einzulassen. Wenn mein Mann (35) und ich Sex haben, ist es immer gut, aber der Weg dorthin ist für mich schwierig – auch in Momenten, in denen ich eigentlich nicht zu müde bin und auch Zeit vorhanden wäre.
Birgit Kollmeyer*
Birgit Kollmeyer.

Birgit Kollmeyer.

Sobald Kinder dazukommen, haben viele Menschen und vor allem Frauen Mühe mit dem Umschalten vom Familienalltag auf Sexualität. Von der Rolle als Elternteil zur Rolle der Partnerin oder Liebhaberin zu finden, ist nicht einfach.

Zunächst geht es darum, zur Ruhe zu kommen, die Arbeit und die Verantwortung für die Kinder hinter sich zu lassen: Spazieren gehen, Musik hören oder Duschen – finden Sie heraus, was Ihnen guttut, um vom Alltag abzuschalten und sich zu entspannen, ohne zu müde zu werden.

Einfach mal umarmen

Um körperlich in Kontakt miteinander zu kommen, bietet sich eine längere Umarmung an. Jeder Partner steht dabei mit beiden Füssen fest auf dem Boden und lehnt sich nicht zu fest an den anderen an. Ohne zu sprechen und mit geschlossenen Augen richtet jeder seine Aufmerksamkeit zunächst auf seine eigene Atmung und die Wahrnehmung des eigenen Körpers. Nach und nach wird dann die Wahrnehmung zum Körper des Partners gelenkt und zu seiner Atmung. Nehmen Sie sich genügend Zeit!

Wenn einer von beiden den anderen streicheln oder küssen möchte, sollte er auf die Signale des anderen reagieren, indem er entweder einen Gang zurückschaltet oder weitermacht. Es geht nicht darum, dies als Vorspiel zu sehen und die Erregung möglichst schnell zu steigern, sondern dass Zusammensein zu geniessen und sich auf das Spüren zu konzentrieren: Wie fühlen sich die Wärme und die Haut des anderen an, wie riecht er/sie, wie reagiert man selber auf bestimmte Zärtlichkeiten? Viele Frauen berichten, dass das sanfte Berühren ihres Busens dazu führt, dass sie sich dem Partner körperlich öffnen können.

Langsamkeit ist zentral

Ein zentraler Punkt ist bei all dem die Langsamkeit. Nur so ist es möglich, loszulassen, sich in die körperliche Begegnung hineinzugeben und intensiv zu spüren. Gehen Sie erst dann zu direkteren Stimulierungen über, wenn Sie beide dazu bereit sind.

Sie können auch versuchen, während der gesamten Begegnung auf das Ziel eines Orgasmus’ zu verzichten und stattdessen die Erregung in Wellen kommen und gehen zu lassen. So empfiehlt es die Sexualtherapeutin Diana Richardson («Slow sex», «Zeit für Weiblichkeit», «Zeit für Männlichkeit»). Dabei wird auf starke Bewegungen verzichtet, es werden immer wieder Pausen gemacht. Es geht darum, es geschehen zu lassen, es wahrzunehmen und zu geniessen.

Dazu gehört etwa auch, dass die Erektion des Mannes auch zurückgehen kann. Er kann trotzdem in der Partnerin bleiben, vielleicht entsteht wieder eine Erektion. Orgasmen dürfen, müssen aber nicht sein. Diese Art von Sexualität verhindert Leistungsorientierung. Und kann durch die Konzentration auf das Hier und Jetzt zu einem tiefen Verbundenheitsgefühl führen.

* Birgit Kollmeyer ist dipl.-Psychologin, Paar- und Sexualtherapie, Bern.

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