Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ratgeber

Kann ein Ohnmachtsanfall auch harmlose Ursachen haben?

Ich (m, 71) hatte vor drei Wochen zu Hause einen kurzen Ohnmachtsanfall, der glimpflich abgelaufen ist. Weil das ein einmaliges Ereignis war, bin ich nicht zum Arzt. Bekannte sagen aber, ich müsse das unbedingt.
Dr. med. Georg Fröhlich*

Ohne bei Ihnen die Umstände zu kennen: Ich rate Ihnen auch zu einem Arztbesuch. Ein Ohnmachtsanfall (Synkope) ist ein häufiges Krankheitsbild, das in jedem Lebensalter vorkommen kann. Dabei gibt es sowohl harmlose wie auch behandlungsbedürftige Ursachen. Eine ärztliche Abklärung ist speziell im höheren Lebensalter unbedingt ratsam.

Der harmlose «Klassiker» ist ein Ohnmachtsanfall etwa bei Rockkonzerten. Besonders gross gewachsene Mädchen mit tiefem Blutdruck sind davon betroffen. Auslöser sind übersteigerte körpereigene Reflexe des vegetativen Nervensystems, welche zu einem Versacken des Blutes in den Beinen führen. Damit kommt es zu einem Blutdruckabfall und einer damit verbundenen kurzen «Blutleere» im Kopf.

Dr. med Georg Fröhlich

Dr. med Georg Fröhlich

Allgemein können solche Synkopen durch langes Stehen, mangelnde Flüssigkeitszufuhr oder längeres Stehen in grösseren Menschenmengen oder in engen stickigen Räumen ausgelöst werden. Auch durch Schmerzreize oder beim Wasserlösen können ähnliche Reflexe ablaufen. Ferner können schnelle Änderungen der Körperlage vom Liegen ins Stehen einen Blutdruckabfall und so eine Synkope verursachen. Die Therapie beschränkt sich in all diesen Fällen meist auf ein Vermeiden der aus­lösenden Situation.

Eine ernstere Ursache für Synkopen sind Herzerkrankungen wie eine verengte Herzklappe (Aortenstenose) und vor allem Herzrhythmusstörungen. Ein zu langsamer Puls oder Pausen der Herzaktion von mehr als drei Sekunden können zu einer kurzen Minderdurchblutung des Gehirns führen. Auch eine hohe Herzfrequenz (über 150 pro Minute) kann Schwindel oder einen Kollaps provozieren.

Die Abklärung ist oft langwierig

Besteht ein solcher Verdacht, führt der Kardiologe eine Ultraschalluntersuchung des Herzens durch, um Herzklappen und Pumpleistung zu prüfen. Ein schwaches Herz neigt eher zu Rhythmusstörungen. Die sind aber auch ohne klar erkennbare Ursache möglich. Zudem können die Rhythmusstörungen auch nur sehr selten sowie in unterschiedlicher Dauer und Intensität auftreten. Das macht die Abklärung oft nicht einfach. Häufig wird ein 7-Tages-EKG angelegt, das den Herzrhythmus überwacht. Das smartphonegrosse Gerät behindert den Patienten im Alltag nicht.

Werden noch immer keine Auffälligkeiten dokumentiert, kommt bei weiterhin bestehendem Verdacht einer Rhythmusstörung ein sogenannter Eventrecorder zum Einsatz. Dies sind kleine, wenige Zentimeter lange Chips, welche in einem kurzen ambulanten Eingriff unter die Haut der linken Brustkorbhälfte implantiert werden. Der Recorder kann den Herzrhythmus bis zu 36 Monate aufzeichnen. Gegebenenfalls wird dann eine Therapie (z.B. Schrittmacher, Medikamente) eingeleitet.

Als Auslöser einer Ohnmacht kommen schliesslich auch neurologische Erkrankungen (z.B. Epilepsie) in Frage. Hier sind aber oft auch neurologische Ausfälle oder Krampfanfälle während und/oder nach dem Anfall zu beobachten. Von Bedeutung ist hier eine weiterführende neurologische Abklärung.

* PD Dr. med. Georg Fröhlich, Kardiologe in der Herz-Clinic, Hirslanden-Klinik St. Anna,
Luzern, www.hirslanden.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.