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Ich bin ständig extrem müde: Was könnte das sein?

Bei mir (w, 74) wurde 2007 ein gutartiger Hirntumor diagnostiziert. Es folgten OP und Bestrahlungen. Seither geht es nur bergab. Vor allem bin ich dauernd extrem müde. Am liebsten würde ich den ganzen Tag im Bett vor mich hindösen. So einiges wurde abgeklärt (Blut, Schilddrüse). Der Hausarzt ist ratlos. Was kann ich noch tun?
Christoph Henzen*
Christoph Henzen. | Bild: PD

Christoph Henzen. | Bild: PD

Müdigkeit ist ein häufiges Symptom, das fast 8 Prozent der gesamten Bevölkerung betrifft und auch bei jeder dritten Hausarztkonsultation ein Thema ist. Das Herausfordernde dabei: Es gibt eine Vielzahl von Ursachen für eine chronische Müdigkeit.

Eine wichtige Rolle im Alltag spielen Medikamente (unter anderem Betablocker, starke Schmerzmittel, Medikamente gegen Heuschnupfen oder auch das von Ihnen im Begleitschreiben genannte Antidepressiva sowie das Medikament gegen Epilepsie).

Es gibt aber eine Reihe weitere mögliche Auslöser:

– depressive Verstimmungen oder Überforderungssitua­tionen in Familie und Beruf;

– Schlaf-Apnoe-Syndrom;

– Tumorerkrankungen und/oder Blutarmut (Anämie);

– Hormonkrankheiten wie Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse;

– Diabetes;

– Ausfall der körpereigenen Cortisolproduktion;

– Herzinsuffizienz;

– chronische rheumatische;

– Erkrankungen wie Polymyalgie oder Fibromyalgie;

– (unerkannte) chronische Infektionskrankheiten wie etwa HIV, Tuberkulose, Hepatitis oder Endokarditis (Infektion der Herzklappen).

Auch wenn umfangreiche Ab­klärungen durchgeführt werden, kann in rund einem Drittel der Fälle keine Ursache gefunden werden. In Ihrem Fall wurde schon an vieles gedacht wie Anämie/Eisenmangel, Schilddrüsenunterfunktion, versteckte Epilepsie und Medikamenten-Nebenwirkungen.

Besonderheiten beachten

Bei einem Symptom wie Müdigkeit, das so häufig ist und so viele verschiedene Gründe haben kann, ist es wichtig, beim einzelnen Patienten auf besondere Hinweise zu achten.

Speziell bei Ihnen ist vor allem die Geschichte mit der Operation und der Bestrahlung eines gutartigen Hirntumors, ebenso die laut Ihren Worten starke Ausprägung der Müdigkeit und das zusätzliche Auftreten von Muskelschmerzen und -krämpfen.

In der Nähe eines Keilbeinmeningeoms liegt die Hypophyse (Hirnanhangsdrüse), das Hormonzentrum des Menschen. Bei einer Bestrahlungstherapie ist es möglich, dass auch die Hypophyse mitbestrahlt und geschädigt wird. Um das auszuschliessen, müssten die Hormonachsen gestestet werden, insbesondere die Cortisolachse und die wasserregulierende Achse. Fachärzte für diese Tests sind Endokrinologen.

Die Muskelsymptome können auf eine Störung der Elektrolyte im Blut hinweisen, zum Beispiel auf zu hohe Kalzium- oder zu niedrige Kaliumkonzentration. Auch in Frage kommt eine chronische Entzündung der Muskeln (wie Polymyalgia rheumatica oder Dermatomyositis) oder eine degenerative Erkrankung von Nerven und Muskeln (sogenannte neuromuskuläre Erkrankungen). Fachärzte für solche Untersuchungen sind Rheumatologen

Da Sie durch die Müdigkeit so stark beeinträchtigt sind, würde ich eine breite Suche nach Ursachen empfehlen.

Müdigkeit, auch chronische, ist Thema jeder dritten Hausarztkonsultation. Es gibt eine Vielzahl von Ursachen. Trotz umfangreicher Abklärungen wird in einem Drittel der Fälle kein Grund gefunden. Individuelle Besonderheiten können zum Teil auf die Spur helfen.

* Prof. Dr. med. Christoph Henzen Leiter Departement Medizin, Chefarzt Innere Medizin & Endokrinologie-Diabetologie, Luzerner Kantonsspital, luks.ch

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