Ratgeber

Ich habe Angst, dass Nachbarin ihrem Kind etwas antut

Ich (w, 49) lebe in einem Wohnblock, über uns ist eine Familie mit einem 3-jährigen Knaben. Oft höre ich, wie die junge Mutter den Kleinen anschreit. Sie hat mir einmal gesagt, dass er nie gehorche und ihr Mann wenig daheim sei. Ich habe Angst, dass sie mal die Nerven verliert und dem Kind etwas antut. Was könnte ich ihr raten?

Margareta Reinecke*
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Margareta Reinecke.

Margareta Reinecke.

Gut, dass Sie hin- und nicht wegschauen. Diese Familie braucht offenbar dringend Unterstützung. Sie schildern eine überforderte Mutter, die nur noch reagieren und nicht mehr agieren kann. Sie will erziehen, indem sie schreit, und erhofft sich damit Gehorsam und Ruhe. Dieses Verhalten wird sie noch mehr an Grenzen bringen, so weit, dass sie sich zeitweise wünscht, für das Kind nicht mehr verantwortlich sein zu müssen. Und Sie als Nachbarin befürchten zu Recht, dass sie die Nerven verlieren, eventuell auch Gewalt anwenden könnte.

Hilfsangebote anschauen

Positiv ist, dass ihre Nachbarin sich Ihnen gegenüber geöffnet und ihre Not mitgeteilt hat. Danken Sie ihr für diese Offenheit und bieten Sie an, mit ihr Hilfsangebote zu diskutieren. Es gibt sehr gute für Familien, man muss sie nur kennen:

Für die Region Luzern zum Beispiel hat es das Zentrum Kinder Jugend Familie am Kasernenplatz. Es ist eine Anlaufstelle für Familienfragen, die Infos, Beratung, Prävention und Unterstützung anbietet. Die Mutter könnte sich an die dortige Mütter- und Väterberatung wenden: ein Angebot für Eltern mit Kindern ab Geburt bis 5-jährig.

Vielleicht hat die Familie kein gutes soziales Netzwerk, um durch Freunde oder Verwandte auch mal Entlastung zu erhalten. Nützlich wäre es – sei es am Kasernenplatz oder in der eigenen Wohngemeinde (Zentrum für Soziales, SoBZ) –, sich über familienergänzende Institutionen zu informieren, über Betreuungsangebote also, die Eltern entlasten. Hilfreich ist auch no-zoff.ch, ein Internetportal der Jugend- und Familienberatungen Zentralschweiz, das über Angebote in den Gemeinden informiert.

Sich als Eltern weiterbilden

Ein vielfältiges Bildungsangebot zum Thema Erziehung hat die elternbildung.lu.ch. Im Elternbildungskalender ist unkompliziert eine breite Palette an Kursen, Veranstaltungen sowie Online-Trainings zu finden. Eltern erhalten hier fachkundiges Wissen und tauschen sich über ihre Erfahrungen des Elternseins aus.

Die Pro Juventute bietet pädagogische und finanzielle Hilfe an. Sie unterhält rund um die Uhr eine Telefon- oder Online-Beratung und verweist auch auf regionale Fachstellen.

An all diesen Stellen erhalten Sie Informationen über das Elternsein und über familienergänzende Betreuung. Diese Institutionen sind kantonal, regional oder kommunal organisiert. Die Wohngemeinde ist entscheidend, welche Beratungsstelle einer Familie zur Verfügung steht. Nicht nur Eltern können sich beraten lassen, sondern auch Grosseltern, Lehrpersonen und andere Bezugspersonen aus dem Umfeld des Kindes.

Ihre Nachbarin scheint offen zu sein für Tipps und Adressen. Aber nicht immer ist das so, manchmal werden Probleme vertuscht oder die Familie hat Angst, gleich mit Behörden in Kontakt zu treten. Der Elternnotruf.ch bietet Hilfe und Beratung für Eltern, Familien und Bezugspersonen bei erzieherischen Belastungssituationen, Konflikten, Krisen und Gewalt. Am Telefon oder per E-Mail können Fachleute täglich während 24 Stunden erreicht werden, anonym und kostenlos. Melden können sich alle, die mit Kindern in Kontakt stehen, also auch Nachbarn. Nun wünsche ich Ihnen, dass es Ihnen gelingt, der Nachbarin mit guten Tipps zu helfen.

* Margareta Reinecke, Luzern/Hildisrieden, ist Dr. phil., Fachpsychologin für Psychotherapie (FSP), Verband Innerschweizer Psycholog/innen

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