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Ratgeber

Ich vergleiche den neuen Partner mit meinem Ex

Ich (w, 36) lebe seit einem Jahr in einer neuen Beziehung, in der für mich vieles stimmt. Dennoch irritiert mich, dass ich meinen aktuellen Partner oft mit meinem Ex vergleiche. Oder auch mit anderen Männern in meinem Umfeld. Ich komme dann ins Grübeln, ob er der Richtige ist, und lasse mich verunsichern.
Andrea Munz*
Andrea Munz.

Andrea Munz.

Jeden befallen von Zeit zu Zeit Zweifel, ob der aktuelle Partner der richtige ist. In der Fantasie stellen wir uns dann vor, wie es wäre, wenn der Partner etwas aufmerksamer, das Zusammenleben etwas harmonischer oder die gegenseitige körperliche Anziehung prickelnder wäre.

Menschen können sich im Gegensatz zu anderen Lebewesen gleichzeitig in zwei Welten bewegen, nämlich in der realen und der fiktiven Welt. In letzterer spielen Sehnsüchte eine wichtige Rolle. Menschen sehnen sich fast immer nach irgendetwas. Ohne Sehnsucht fühlen wir uns leer; der Alltag wird monoton und langweilig.

Drei Zonen der Beziehung

Auch in der Beziehung kann die Wahrnehmung des Partners desillusioniert werden – was so schön anfing, wird nach einer gewissen Zeit gewöhnlich und manchmal sogar nervig. Man blickt etwas neidisch auf andere Beziehungen, vergleicht den Partner mit anderen und fokussiert auf negative Aspekte.

Der US-Paartherapeut John Gottmann schreibt, dass Paarkommunikation in drei verschiedenen Zonen stattfindet: Die freundliche Zone ist von Respekt und Wohlwollen getragen. Streit und Unzufriedenheit gibt es, aber die positiven Gefühle für den Partner überwiegen. Die neutrale Zone ist die stabilste. Hier geht es weder hitzig noch feindselig zu und her. Konflikte werden eher ruhig und sachlich ausgetragen. In der feindlichen Zone lassen die Partner kein gutes Haar am anderen und interpretieren alles in die denkbar schlechteste Richtung.

In jeder Beziehung wechseln sich diese drei Zonen ab. Wer ständig negative Vergleiche anstellt, bereut insgeheim, diese Beziehung gewählt zu haben, und wird empfänglich für vermeintlich attraktivere Alternativen. Oder verklärt die Vergangenheit etwa mit einem Ex-Partner. Dies ist oft ein Trugschluss. Wer meint, dass er die Probleme mit einem anderen Partner nicht hätte, ist überzeugt, dass der Partner dafür verantwortlich ist. Man trägt jedoch selbst seinen Teil zur Partnerschaft bei und ist somit auch Mitverursacher der Konflikte. Vermutlich hätte man mit einem anderen Partner irgendwann dieselben oder andere Probleme.

Drei zu eins fürs Positive

Beziehungen durchleben gute und weniger gute Zeiten. Wenn Sie bei sich das Muster von negativen Vergleichen entdecken, versuchen Sie Gegensteuer zu geben: Überlegen Sie sich zum Beispiel in den nächsten Wochen täglich, für welche drei Dinge Sie Ihrem Partner dankbar sind, und schreiben Sie diese auf. Da wir negative Aspekte stärker gewichten, braucht es für jeden negativen drei positive Punkte, um das emotionale Empfinden auszugleichen. Versuchen Sie herauszufinden, was Sie in der Beziehung schätzen und was Sie vermissen. Erzählen Sie Ihrem Partner, wofür Sie dankbar sind und wo aus Ihrer Sicht Optimierungsmöglichkeiten bestehen. Ihr Partner kann nicht Gedanken lesen. Wenn er jedoch von Ihren Wünschen hört, besteht die Chance, dass sie gemeinsam in der Beziehung etwas verbessern.

* Andrea Munz ist lic. phil. Psychologin, Supervisorin, Organisationsberaterin BSO, Coach, www.andreamunz.ch.

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