Ratgeber

Im Homeoffice gehen wir einander brutal auf die Nerven

Mein Partner und ich (36/32) arbeiten beide derzeit im Homeoffice. Diese Nähe macht uns immer mehr zu schaffen. Er regt sich auf, wenn ich mal staubsauge oder ein Musikstück laufen lasse. Derweil ich seinen geschäftigen Aktivismus kaum mehr vertrage. Am Abend sind wir gereizt und haben genug voneinander. Was können wir tun?

Eugen Bütler*
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Eugen Bütler.

Eugen Bütler.

Im Moment ist alles anders. Sie beide vermissen vermutlich die Kolleginnen und Kollegen bei der Arbeit oder Ihre Freunde. Sie leben mit Ihrem Partner auf engstem Raum. Plötzlich sollten Sie sich gegenseitig auch das geben, was Sie sonst auswärts erleben. Damit sind Sie beide überfordert. Sie erleben auch Ihren Partner anders als sonst. Er arbeitet viel, ist vielleicht genervt, wenn er an seine Grenzen stösst. Auch sich selber erleben Sie auf eine neue Weise.

Hilfreich könnte sein, sich folgende Fragen zu stellen: Welches sind meine Bedürfnisse? Was erwarte ich gerade jetzt vom Partner? Welche Erwartungen sind fair und realistisch? Und welches sind seine Bedürfnisse?

Dabei sollten Sie nicht ein romantisches Bild der Beziehung als Massstab nehmen. Viele erwarten Aufmerksamkeit, Anerkennung, Liebe, Interesse, Offenheit vom Partner. Und dass er sie begehrt, sie verwöhnt. Sie tragen dabei ein Idealbild des Partners mit sich herum und versuchen, den Partner nach diesem Idealbild zurechtzubiegen. Das klappt in aller Regel nicht. Es geht darum, den Partner zu lieben, wie er ist. Wer das Ideal mehr liebt als den realen Partner, läuft Gefahr, die Beziehung zu zerstören.

Sein lassen und entspannen

Wenn Sie sich also über Ihren Partner ärgern oder umgekehrt, fragen Sie sich, ob die Erwartungen nicht zu hoch sind. Wenn es Ihnen und Ihrem Partner gelingt, diese Erwartungen gelassener zu nehmen, kann Entspannung in die Beziehung zurückkommen.

Jemand ist vielleicht der ordentliche Typ, der andere nimmt es eher locker mit der Ordnung. Ein Paar hat wenig gewonnen, wenn der Ordentliche dem Lockeren vorwirft, er sei ein Chaot. Und der Lockere dem Ordentlichen, er sei pingelig. Wenn also beide glauben, ihre eigene Weltsicht sei die objektiv richtige. Vielmehr geht es darum, zu verstehen, dass der Partner anders ist als ich, aber deswegen nicht zwingend weniger richtig liegt.

Bedürfnisse sollen von beiden ernstgenommen werden. Nehmen Sie sich Zeit, um diese zu klären. Verhandeln Sie, wie Sie gewisse Dinge lösen wollen. Falls Sie einander nicht verstehen, können Sie ein «partnerschaftliches Zwiegespräch» führen. Das geht so: Ein Partner spricht eine vereinbarte Zeit, zum Beispiel 5 oder auch 10 Minuten, der andere hört nur zu. Dann spricht der andere Partner. Wenn beide Partner gut aufeinander hören, wächst das gegenseitige Verständnis und Sie finden gemeinsame Lösungen. Natürlich braucht es dazu die Bereitschaft, über Gefühle und Bedürfnisse zu reden. Sollte sich im Laufe der Zeit zeigen, dass das nicht mal im Ansatz möglich ist, rate ich zu externer Hilfe oder dazu, sich grundsätzlich Gedanken zu machen. Doch noch können Sie die Situation selber steuern. Ich wünsche Ihnen Kraft und Gelassenheit dafür.

* Eugen Bütler, Luzern, ist psychologischer Berater, dipl. Ergotherapeut, Theologe, Einzel- und Paarberatung; www.buetlercoaching.ch.

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