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In meinen Träumen erlebe ich oft, dass ich versage

Obwohl es mir beruflich und privat gut geht, träume ich immer wieder von Situationen, in denen ich versage. So bin ich im Traum unfähig, eine Arbeit richtig zu machen. Oder befinde mich in einer Prüfungssituation und habe keine Ahnung vom Stoff. Warum verfolgen mich solche Träume immer wieder seit vielen Jahren?

Andrea Munz*
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Gäbe es eine Rangliste der häufigsten Träume, so lägen wohl weltweit folgende Themen an der Spitze: Versagen, Verfolgungsjagden, Sex und das Gefühl zu fallen. Ein Merkmal dieser Träume ist, dass sie von starken Gefühlen begleitet werden wie Angst, Lust, Scham oder Ärger.

Andrea Munz.

Andrea Munz.

Viele «Prüfungsträumer» haben in der Realität die allermeisten Prüfungen erfolgreich bestanden. Interessanterweise träumen gute Schülerinnen und Schüler öfter über ein Scheitern bei Prüfungen, da sie dazu neigen, höhere Erwartungen an sich zu stellen als andere. Wir können im Traum in der Regel nicht zwischen Wirklichkeit und Vorstellung unterscheiden. Im Traum erscheint uns alles ganz real. Erst beim Erwachen merken wir, dass es ja «nur ein Traum war». Wenn wir tagsüber etwas befürchten, wissen wir, dass es sich um eine Möglichkeit handelt, die nicht zwingend eintreten muss. Der Traum kennt kein «vielleicht». Das mag erklären, warum wir im Traum oft Angst haben.

Keine Vorbereitung möglich

Im Wachzustand können wir Pläne machen, etwa wie wir uns auf ein Ereignis vorbereiten wollen. Wir wissen, dass wir Zeit brauchen, um uns für eine Prüfung vorzubereiten, dass es hilfreich sein kann Zusammenfassungen zu schreiben, dass wir in Zeiten, wo sehr viel läuft, Prioritäten setzen müssen. Im Traum sind wir sofort in der Stresssituation und in unseren Handlungsmöglichkeiten stark eingeschränkt. Wir fühlen uns unfähig, adäquat zu reagieren, sind blockiert und ohnmächtig.

Die Gefühle, welche im Traum empfunden werden, sind oft ein Schlüssel zum Verständnis. Traumforscher gehen davon aus, dass Emotionen die Triebkräfte eines Traumes sind. Das schlafende Gehirn ähnelt einem Geschichtenerzähler, der zu einem Gefühlszustand eine Geschichte entwickelt. Vermutlich bestimmen unterschwellige Stimmungen während des Tages, welche Emotionen im Schlaf auftauchen. So treten Träume, in denen man mit etwas nicht fertig wird, oft in Zeiten auf, wo tatsächlich sehr viel zu tun ist. Der äussere oder auch selbstaufgebaute Erwartungsdruck ist hoch, man erlebt den Alltag als stressig. Es kann ein realer Stress sein, etwa vor einer wichtigen Präsentation oder einer Prüfung. Oder ein rein mental gemachter Stress.

Was Träume uns sagen

Im Traum erleben wir, was uns wirklich bewegt. Daher ist es spannend, sich von Träumen anregen und teils auch irritieren zu lassen. Vielleicht will ein Versagenstraum Ihnen vermitteln, frühzeitig mit der Planung von aktuell wichtigen Herausforderungen zu beginnen.

Vielleicht regt der Traum an, über die Prioritätensetzung nachzudenken, damit Sie sich auf das Wichtige fokussieren und sich nicht in viele Nebensächlichkeiten verzetteln. Indem Sie herausfinden, worauf Sie ein Traum aufmerksam machen will, können Sie Lehren für die Realität ableiten.

* Andrea Munz ist lic. phil. Psychologin, Supervisorin, Organisationsberaterin BSO, Coach; www.andreamunz.ch

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