Ratgeber

Investieren in Grossunternehmen: Ist das eine gute Idee?

Ich habe 50 000 Franken geerbt, die ich im Moment nicht brauche. Ein Freund hat mir nun geraten, mein Geld in Aktien von bekannten Grossunternehmen (Microsoft, Apple sowie Roche und Novartis) zu investieren, weil diese leicht handelbar seien. Bin ich mit diesen Aktien – ich habe keine anderen – gut aufgestellt?

Thomas Heller*
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Nein, das sind Sie nicht! Das hat allerdings nichts mit den genannten Aktien zu tun. Das sind alles hervorragende Unternehmen. Aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass Sie mit nur vier Aktien ein viel zu grosses Klumpenrisiko in Ihrem Portfolio haben. Sie sollten Ihr Vermögen breiter streuen. Das Zauberwort heisst «Diversifikation».

Thomas Heller.

Thomas Heller.

Warum Diversifikation?

Wüssten wir mit Sicherheit, dass eine bestimmte Anlageklasse (z. B. Aktien), eine bestimmte Region (z. B. die Schweiz) oder ein bestimmtes Wertpapier (z. B. Novartis) überdurchschnittlich an Wert zulegen wird, wäre die Sache einfach: Wir investierten «blind» in diese Anlageklasse, Region oder das entsprechende Wertpapier. Wir könnten alles auf eine Karte setzen. Wir bräuchten keine Diversifikation. Die Realität sieht anders aus. Die Welt der Anlagen ist geprägt von Unsicherheit. Vielleicht wird Novartis die Zulassung für ein Medikament verweigert, was den Kurs der Aktien nach unten drückt. Oder die Pharmabranche als Ganzes kommt wegen vermehrter Regulierung unter Druck. Oder der Schweizer Aktienmarkt leidet unter einer starken Aufwertung des Schweizer Frankens. Das heisst, die Konzentration des Anlagevermögens auf den Schweizer Pharmatitel Novartis würde sich negativ auf den Wert des Vermögens auswirken.

Also brauchen wir ausser Novartis weitere Pharmatitel, Aktien aus anderen Branchen, Anlagen ausserhalb der Schweiz und neben Aktien weitere Anlageklassen. Mit anderen Worten, wir brauchen Diversifikation – zwischen, aber auch innerhalb von Anlageklassen.

Diversifikation ist einer der wichtigsten Aspekte, die es beim Anlegen zu berücksichtigen gilt. Sie basiert auf der Tatsache, dass einzelne Märkte oder Wertpapiere sich nicht im Gleichschritt bewegen, d. h. unterschiedlichen Wertschwankungen unterworfen sind. Die Erfahrung zeigt, dass mit wenigen Titeln bereits ein erheblicher Diversifikationseffekt erzielt werden kann. Je nach Markt lässt sich schon mit gut einem Dutzend Aktien das titelspezifische Risiko praktisch eliminieren.

Fonds bevorzugen

Um mit dem Betrag von 50 000 Franken eine ausreichende Diversifikation zu erzielen, eignet sich die Anlage in Einzeltitel allerdings nicht. Die einzelnen Positionen wären zu klein, die Kosten der Bewirtschaftung im Verhältnis zu hoch. Deshalb ist in Ihrem Fall der Einsatz von Anlagefonds oder börsengehandelten ETF zu empfehlen, deren Kosten vergleichsweise gering sind. Wenn Sie nur in Aktien investieren möchten, kann das beispielsweise ein global investierender Aktienfonds sein. Oder Sie können den Anlagebetrag auf mehrere Fonds aus verschiedenen Regionen oder Sparten aufteilen.

* Thomas Heller, Leiter Research, Schwyzer Kantonalbank, www.szkb.ch

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