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Ratgeber

Ist der 30-jährige Wein noch konsumierbar?

Ich habe im Keller zwei Flaschen eines bekannten Bordeaux mit Jahrgang 1989 gefunden. Da mein Göttibub Wein liebt, möchte ich ihm diese Flaschen zum 30. Geburtstag schenken. Doch ich frage mich, ob der Wein nach so langer Zeit noch konsumierbar ist und ich ihm damit wirklich ein schönes Geschenk mache.
Hugo Berchtold*
Hugo Berchtold

Hugo Berchtold

Ein weitverbreitetes Vorurteil besagt, dass Weine mit dem Alter immer besser werden. Dem ist nur in Ausnahmefällen so. «Grosszügig geschätzt schmecken etwa 10 Prozent aller Rotweine und 5 Prozent aller Weissweine nach fünf Jahren angenehmer und interessanter als im ersten Jahr. Nur 1 Prozent aller Weine besitzt die Besonderheit, sich über ein bis zwei  Jahrzehnte, manchmal über noch längere Zeit weiter zu entfalten», stellt der renommierte Master of Wine Jancis Robinson fest.

Die Lagerfähigkeit eines Weins hängt von mehreren – inneren und äusseren – Faktoren ab: in erster Linie von Tanninen, Säure und Alkoholgehalt sowie von der Lagerung. Klassierte Bordeauxweine, Top-Burgunder, nördliche Rhône, Rioja, Top-Weine aus der Toscana und dem Piemont sowie Spitzen­weine der Neuen Welt können diese inneren Voraussetzungen für eine lange Lagerung mit sich bringen. Doch auch da gibt es zusätzliche Faktoren, die das Alterungspotenzial beeinflussen, wie etwa die Qualität des Weinjahrs oder das Alter der Reben.

Heute werden die weitaus meisten Weine so gekeltert, dass sie trinkreif sind, wenn sie auf den Markt kommen. Nur wenige Spitzenweine brauchen meist noch etwas Zeit. Je nach Wein und Jahrgang entfalten diese Weine nach insgesamt 8 bis 10 Jahren ihr Potenzial, das sie dann während 5 bis 6 Jahren behalten. Danach setzt langsam die Oxidation ein: Mit dem fortschreitenden Alterungsprozess beginnen unangenehme Aromen zu dominieren, das Trinken des Weins macht keinen Spass mehr.

Während 20 und mehr Jahren behalten nur Topweine aus Spitzenjahrgängen ihr Potenzial. Allerdings auch dies nur unter der Bedingung, dass sie perfekt gelagert werden.

Korrekte Lagerung

Entscheidend bei der Lagerung sind Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Lichtverhältnisse und Umgebung. Ideal sind eher kühle Temperaturen zwischen 9 und 14 Grad. Wichtig ist, dass die Temperaturschwankungen möglichst gering sind, dann verträgt der Wein auch einige Grade mehr. Die Luftfeuchtigkeit beträgt idealerweise zwischen 65 und 75 Prozent. Ist die Luftfeuchtigkeit zu niedrig, können die Korken austrocknen, sodass sie porös werden. Zu viel Feuchtigkeit schadet weniger dem Wein, doch können die Etiketten verschimmeln.

Wein ist zudem lichtempfindlich, er liebt es dunkel. UV-Licht kann chemische Reaktionen hervorrufen, die sich negativ auf den Wein auswirken. Wichtig ist auch die Umgebung: Sie sollte erschütterungsfrei und möglichst geruchsneutral sein. Deshalb Weine nie in der Nähe von Öltanks oder Knoblauch­vorräten lagern.

Ob der von Ihnen genannte Wein nach 30 Jahren noch konsumierbar ist, ist somit höchst unsicher. Er könnte jedoch Ausgangspunkt einer interessanten vertikalen Degustation sein. Versuchen Sie, mehrere jüngere Jahrgänge des gleichen Weins zu kaufen. Sie könnten dann in einer Vergleichsdegustation die Entwicklung des Weins über mehrere Jahrzehnte nachverfolgen und damit Ihrem Göttibub in jedem Fall ein schönes Geschenk machen.

*Hugo Berchtold, Redaktor Ratgeber

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