Ratgeber

Ist eine Entfernung der Thymusdrüse wirklich nötig?

Bei mir (m, 65) wurden eine Vergrösserung der Milz und eine Verkümmerung des Thymus festgestellt. Eine operative Entfernung der Thymusdrüse wurde mir nahegelegt. Jetzt mache ich mir Sorgen. Ist eine OP wirklich nötig? Gibt es andere Wege? Kann man ohne Thymusdrüse gut leben? Und wenn OP: Wie verläuft dieser Eingriff?

Dr. med. Herbert Wallimann *
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Erlauben Sie mir, zunächst kurz zu erklären, worum es sich beim Thymus handelt. Diese wenig bekannte Drüse versteckt sich hinter dem Brustbein. Sie ist vor allem im Baby- und Kleinkindalter aktiv. Die Thymusdrüse ist bei der Ausbildung unseres Immunsystems sehr wichtig. In der Thymusdrüse werden von Kleinkindesalter an die T-Lymphozyten gebildet.

Die Bildung dieser Zellen ist mit dem Eintritt in die Pubertät abgeschlossen, weshalb sich der Thymus danach langsam zurückbildet. Die Drüse wandelt sich normalerweise zu Fettgewebe um. Eine «Verkümmerung», wie man sie bei Ihnen festgestellt hat, ist also an und für sich etwas ganz Normales bei diesem Organ.

Etwas anders sieht es aus, wenn sich der Thymus im Laufe der Zeit verändert oder vergrössert. Auch das kommt vor, und in diesen Fällen ist eine operative Entfernung in der Regel angezeigt. Wir sprechen dann entweder von einer Thymus-Hyperplasie (gutartigen Vergrösserung der Drüse) oder von einem Thymom (vom Thymus ausgehender gutartiger Tumor). Auch diese gutartigen Tumore können an Grösse zunehmen und zum Teil sogar andere Organe verdrängen. Des Weiteren existieren auch bösartige Tumore, so genannte Thymukarzinome, die auch in die Umgebung einwachsen können. Nach aktuellen Empfehlungen ist in all diesen Fällen die operative Entfernung der betroffenen Thymusdrüse indiziert.

Heute vielerorts ein minimalinvasiver Eingriff

Ob eine Operation in Ihrem Fall wirklich angezeigt ist, liesse sich nur mit Kenntnis aller Details Ihrer Krankengeschichte sowie der genauen Untersuchungsergebnisse beantworten. Ich rate Ihnen, sich zur Sicherheit noch einmal zu vergewissern, dass bei Ihnen keine Veränderung oder Vergrösserung des Thymus diagnostiziert wurde.

Zum Eingriff selbst kann ich Ihnen gerne ein paar zusätzliche Informationen geben: Die Operation dauert je nach individueller Ausgangslage zwischen einer und zwei Stunden. Heutzutage wird sie vielerorts minimalinvasiv und wenn möglich Roboter-assistiert durchgeführt. Das bedeutet, dass der Brustkorb nicht mehr wie früher über einen grossen Schnitt geöffnet werden muss, sondern dass der Zugang durch kleine, kaum zentimetergrosse Schnitte am Oberkörper erfolgt.

Obwohl in unmittelbarer Nähe zur Lunge und zum Herz operiert wird, beeinträchtigt der Eingriff kein funktionelles Gewebe. Die Komplikationsrate ist bei dieser Operation, sofern sie an einem spezialisierten, thoraxchirurgischen Zentrum durchgeführt wird, minimal.

Nach der Operation ist während ein paar Stunden eine Beobachtung der Herz-Kreislauf- und Atemfunktionen auf der Überwachungsstation notwendig. Die am Schluss der OP eingelegte Drainage kann in der Regel bereits am OP-Tag wieder entfernt werden. Die Hospitalisation dauert in der Regel drei bis vier Tage. Der Arbeitsausfall beträgt je nach individueller Situation eine bis zwei Wochen.

*Dr. med. Herbert Wallimann ist Facharzt für Chirurgie, speziell Thoraxchirurgie, Hirslanden-Klinik St. Anna, Luzern, www.hirslanden.ch/stanna

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