Ratgeber

Ist es selbstständiger Nebenerwerb oder nur ein Hobby?

Ich arbeite zu 60% als Angestellte und gebe noch Tanzunterricht auf eigene Rechnung. Damit nehme ich nach Abzug meiner Ausgaben 300 Franken netto im Monat ein, die ich nicht in der Steuererklärung deklariert habe. Auch habe ich dafür keine AHV-Beiträge bezahlt. Ein Freund meinte nun, dass ich dafür eine hohe Busse riskiere.

Mario Udvardi*
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Ihre Frage betrifft zwei verschiedene Themen: Steuern und Sozialversicherungen.

Das Steuergesetz führt eine Liste der steuerfreien Einkünfte. Was dort nicht bei den steuerfreien Einkünften aufgeführt wird, ist in der Steuererklärung mindestens zu erwähnen.

Mario Udvardi.

Mario Udvardi.

In Ihrem Fall ist zu prüfen, ob eine selbstständige Erwerbstätigkeit im Sinne des Steuergesetzes und der AHV-Gesetzgebung vorliegt. Als Kriterien gelten: Eigene Rechnung und Risiko, Gewinnerzielungsabsicht, Einsatz von Arbeitsleistung und Kapital, frei gewählte Organisation, planmässige und nach aussen sichtbare Teilnahme am wirtschaftlichen Verkehr sowie mehrere Auftraggeber.

In der Praxis ist es so, dass bereits ein bis zwei «Ja» ausreichen, damit die Behörden Ihre Tätigkeit nicht mehr als Liebhaberei, sondern als Erwerbstätigkeit einschätzen. Ich gehe davon aus, dass Ihr Zusatzeinkommen als Teil einer selbstständigen Nebenerwerbstätigkeit eingestuft wird und steuerpflichtig ist. Sie müssen diese Einkünfte also deklarieren.

Die Steuerbehörden lassen es in der Regel über 5 bis 10 Jahre zu, dass Steuerpflichtige den Aufbau einer selbstständigen Tätigkeit versuchen. Diese Frist kann je nach kantonaler Praxis variieren. Sollte danach aufgrund der gesamten Umstände kein Gewinn zu erwarten sein, gehen die Steuerbehörden von einem Hobby aus – ohne Folgen auf der steuerlichen Seite. Das ist bei Ihnen nicht der Fall, da Sie Gewinn erzielen.

AHV: Andere Regeln

Bei den Sozialversicherungen gelten andere Regeln: Die Ausgleichskassen erheben bei Personen, die ihre selbstständige Erwerbstätigkeit im Nebenberuf ausüben und damit ein Jahreseinkommen von unter 2300 Franken erzielen, nur dann Beiträge für die AHV/IV, wenn dies von den betreffenden Erwerbstätigen explizit so gewünscht wird. Mit Ihren rund 3 600 Franken im Jahr liegen Sie jedoch über dieser Limite und sind damit in der Pflicht, Sozialversicherungsbeiträge zu bezahlen.

Ich empfehle Ihnen darum, mit beiden Behörden Kontakt aufzunehmen. Da Sie potenziell steuerbare Einkünfte nicht deklariert haben, können Sie für die Hinterziehung von Einkommenssteuern auf Stufe Gemeinde, Kanton und Bund gebüsst werden. Die Busse macht in der Regel das Einfache der hinterzogenen Steuer aus. Dazu kommen die Nachzahlung der hinterzogenen Steuern sowie Verzugs­zinsen.

Meistens keine Busse

Die Ausgleichskassen kennen Ordnungsbussen für die Verletzung von Ordnungs- oder Kontrollvorschriften. Diese können bis zu 1000 Franken betragen und im Wiederholungsfall innert zweier Jahre sogar bis zu 5000 Franken. Normalerweise jedoch sind nur die entgangenen Beiträge inklusive Verzugszins nachzuzahlen, und es erfolgt keine Busse.

* Mario Udvardi ist Experte für Steuern, Luzerner Kantonalbank AG; www.lukb.ch

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