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Ratgeber

Ist es wirklich nötig, dass unsere Kinder gamen?

Ich habe zwei Söhne (6 und 8). Wir schauen sehr wenig TV, und «gamen» tun wir gar nicht. Immer mehr fragen die Kinder danach, weil sie es von anderen Kindern in der Schule mitbekommen. Muss das sein, und tue ich ihnen damit wirklich einen Gefallen? Dass bereits im Kindergarten die Digitalisierung Einzug hält, verunsichert mich.
Josef Jung *

Für Kinder in diesem Alter gibt es noch wenig Pflichten. Gamen gehört gewiss nicht dazu. Welche Medien Sie zu Hause wie oft konsumieren, ist eine Familienangelegenheit bzw. die Entscheidung von Ihnen als Eltern. Offenbar sind Sie in der Hinsicht eher zurückhaltend.

Auch betrifft Gamen nur einen kleinen Teil der zunehmenden Digitalisierung. An Letzterer werden Sie und vor allem Ihre Kinder nicht vorbeikommen. Schätzungen gehen davon aus, dass bald in 90 Prozent aller Berufe digitale Kompetenzen gefordert sein werden. Die Schule als gewichtiger Teil der Gesellschaft für die Kinder und Jugendlichen unterstützt die Digitalisierung. Mit der Einführung des Moduls «Medien und Informatik» im Lehrplan 21 sind die Lernziele rund um digitale Medien in der Volksschulbildung verankert. Schülerinnen und Schüler lernen künftig schon in der Primarstufe Anwendungskompetenzen und das kritische Hinterfragen von Medien.

Auch andere Aktivitäten

Ob Gamen allein die digitalen Kompetenzen eines Kindes sinnvoll unterstützt, ist fraglich. Oft werden verschiedene Gründe aufgeführt, weshalb Gamen für die Kinder gut sei, etwa Förderung der Kreativität, des strategischen und abstrakten Denkens, der Entdeckungs­freude. Doch solches kann mit anderen Aktivitäten genauso gut oder besser unterstützt werden.

Dass Ihre Kinder in der Schule von anderen Kindern mitbekommen, was diese dürfen und worüber diese womöglich begeistert berichten, ist ganz normal. Und der Wunsch Ihrer Kinder, daran teilhaben zu wollen, verständlich. Das Ganze erinnert daran, was früher in der Schule bezüglich bestimmter TV-Sendungen oder Kleidermarken ablief. Auch hier kamen die Kinder nach Hause und bestürmten die Eltern mit entsprechenden Wünschen, stets mit dem flehentlichen Hinweis, sonst in die Aussenseiterrolle zu geraten.

Wichtig ist, dass Sie als Eltern eine klare Haltung vertreten und diese den Kindern erklären. Das gilt nicht nur, ob Ihre Kinder gamen dürfen oder nicht, sondern ist grundsätzlich für die Erziehung wichtig.

Nicht sofort entscheiden

Eine klare Haltung heisst nicht, dass diese nicht auch veränderbar wäre. Es kann auch bedeuten, Ihren Kindern mitzuteilen, dass Sie sich als Eltern darüber zuerst unterhalten resp. sich erkundigen wollen und dafür eine gewisse Zeit benötigen. Wenn Sie im Internet Tipps zum Medienkonsum suchen, werden diese nicht immer einheitlich sein. Das hat mit der Digitalisierung selbst zu tun. Sie entwickelt sich rasant, sodass gewisse Ratschläge schnell veralten.

Falls Sie sich erhoffen, durch das Nichterlauben des Gamens weniger Familienkonflikte zu haben, könnten Sie sich täuschen. Entweder gibt es Konflikte wegen des «Gstürms» der Kinder, überhaupt gamen zu können, oder dann über das «Was?» und «Wie lange?». Sie werden so oder so in Ihren Kompetenzen als Eltern gefordert sein.

* Dr. phil. Josef Jung ist Fachpsychologe für Psychotherapie FSP. www.psychotherapie-jung.ch

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