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Ratgeber

Jungvogel: Sollen wir ihn sich selbst überlassen?

Kürzlich hatten wir einen Jungvogel auf dem Rasen im Garten, der offensichtlich noch nicht fliegen konnte. Wir waren etwas ratlos: Soll man dem Tierchen helfen oder sein Schicksal der Natur überlassen?
Ramona Keiser*

Sitzt ein junger Vogel längere Zeit im Garten und flattert er unbeholfen mit den Flügeln, steigt bei vielen Menschen der Mitleidpegel. Scharenweise werden Vögelchen aus purer Tierliebe beim Tierarzt oder in der Vogelstation abgeliefert, oft mit der Begründung: «Der Vogel sass auf unserem Rasen, er kann nicht fliegen.»

Übung macht den Meister

Jungvögel können noch nicht (so gut) fliegen. Meistens flattern sie unbeholfen durch die Gegend und wirken verloren und überfordert. Der Begriff «flügge werden» ist bezeichnend für die Phase, die ein Nestling bis zu seiner Selbstständigkeit durchläuft. Bis die jungen Piepmatze richtig fliegen können, braucht es viele Flugversuche. Oft sitzen sie dann – scheinbar verwaist – in der Nähe einer Hecke. Doch keine Bange! Mamma und Papa Vogel sind in der Regel nicht weit. In den allermeisten Fällen beschützen sie ihren Nachwuchs, behalten ihn genau im Blick und versorgen ihn mit Nahrung. Zu viel Arbeit steckt bereits im Nachkommen, als dass man ihn einfach seinem Schicksal überlassen würde. Die Wahrscheinlichkeit, dass beiden Elternteilen etwas zugestossen sein könnte, ist praktisch bei null.

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Was tun, falls der Jungvogel an einer sehr ungünstigen Stelle sitzt oder ihm unmittelbar Gefahr droht? Dann kann man ihn vorsichtig aufheben und in eine nahe gelegene Hecke oder auf einen Ast setzen (ein kleiner Korb oder etwas Nestähnliches kann Abhilfe schaffen, dass der Vogel nicht wieder vom Ast runterhüpft/-fällt). Der Youngster wird seine Eltern mit Lock­rufen auf sich aufmerksam machen. Jungvögel soll man auf keinen Fall anfassen, werden Sie jetzt vielleicht denken. Stimmt nicht: Vögel haben ein sehr schlecht ausgebildetes Riechorgan. Entgegen der landläufigen Meinung werden die Altvögel das Junge nicht verstossen.

Die kleinen Vögel verdienen die Chance, mit Hilfe ihrer Eltern selbstständig werden zu können. Keine noch so gute Pflegestation kann dieselbe Qualität in der Aufzucht und der Sozialisierung gewährleisten, wie ein Altvogel dies tun kann. Die Jungvögel haben selbst bei fachgerechter Pflege die deutlich schlechteren Überlebenschancen als in der Natur. Manchmal bedeutet Tierliebe, die Natur – wenn auch schweren Herzens – machen zu lassen und nicht einzugreifen.

Jungvögel erkennen

Jungvögel sind an folgenden Merkmalen zu erkennen:

— keine Schwanzfedern;
— grosser Schnabel mit Schnabelwülsten;
— Federkiele: Auf der Unterseite der Flügel und der Schwanz­federn befinden sich grosse Keratinmanschetten. Daraus wachsen nach und nach die Federn;
— der Vogel hüpft unbeholfen auf dem Rasen herum.

Ein Vogel braucht Hilfe und sollte in eine Pflegestation gebracht werden, wenn
— er ein noch blinder, nicht oder nur schlecht befiederter aus dem Nest gefallener Nestling ist;
— er offensichtlich verwaist ist (mindestens zwei Stunden kein Altvogel in der Nähe. Abstand halten und beobachten!);
— er von der Katze nach Hause gebracht wurde (sie benötigen medizinische Versorgung);
— er offensichtlich verletzt ist (Scheibenopfer: Vögel, die in eine Scheibe geflogen sind und benommen dasitzen; Mauersegler, die auf dem Asphalt gefunden werden; verwaiste Entenküken/Küken von Wasservögeln, wenn kein Elternteil auffindbar ist).

Sind Sie unsicher, ob ein Jungvogel Ihre Hilfe braucht, konsultieren Sie eine Vogel­pflegestation oder den Tierarzt.

* Ramona Keiser ist Tierärztin med. vet.

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