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Kann man Hunden das Bellen «aberziehen»?

In unserer Nachbarschaft bellen zwei Hunde der gleichen Besitzer den ganzen Tag teils bis tief in die Nacht. Können Hunde nicht so erzogen werden, dass sie nicht ständig bellen? Gibt es eine rechtliche Grundlage, womit diesem Ärgernis Einhalt geboten werden kann?

Dr. med. vet. Susi Paul*
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So, wie Sie es beschreiben, ist das offensichtlich Lärmbelästigung und darf nicht sein. Sicher tragen aber die Hunde daran keine Schuld, denn Bellen ist ein natürliches Ausdrucksverhalten, womit sich der Hund Menschen, anderen Hunden und Tieren gegenüber kundtut. Und eines ist sicher: Hunde, die dauernd bellen, sind unglücklich, fühlen sich alleine gelassen und kommen mit ihrer Situation nicht klar. Auch das darf nicht sein. Im Tierschutzgesetz ist festgehalten, wie lange man Hunde alleine lassen darf.

Bellen nur wenn nötig

Hunde können wirklich dazu erzogen werden, dass sie nicht ständig bellen beziehungsweise eben nur, wenn nötig: Wenn die Hausglocke läutet, oder es verschafft sich jemand unbefugt Zutritt zum Haus und so weiter – es gibt Situationen, in welchen das Alarmschlagen des Hundes gewünscht ist. Einem Hund beizubringen, wann sein Bellen willkommen ist beziehungsweise wann es stört, ist aber schwierig, und je länger der Zustand der unbeschränkten Bellfreiheit besteht, desto schwieriger wird die Aufgabe.

Weiter spielt auch die Rasse eine grosse Rolle: Der Appenzellerhund etwa ist von Natur aus ein bellfreudiger Hund. Er muss traditionellerweise Haus und Hof hüten und sofort melden, wenn jemand sich nähert. Seine zweite Aufgabe ist es, die Rinder zu treiben, und dies tut er oft auch lauthals. Einem Appenzellerhund das Bellen abzugewöhnen, ist daher schwierig bis unmöglich. Und bei seinen Verwandten verhält es sich ähnlich.

Suchen Sie Rat?

Schreiben Sie an: Ratgeber, «Luzerner Zeitung», Maihofstrasse 76, 6002 Luzern  E-Mail: ratgeber@luzernerzeitung.ch. Bitte geben Sie bei Ihrer Anfrage Ihre Abopass-Nummer an.

Geht es aber um Hunde, die so oft alleine sind, dass sie ihr «Elend» klagend herausheulen und -bellen, ist die Situation sogar tierschutzwürdig, und es muss unbedingt etwas unternommen werden. Sollte dies im vorliegenden Fall zutreffen, bleibt Ihnen wirklich keine andere Wahl, als den Hunden zu «helfen», indem Sie die Besitzer darauf ansprechen und, wenn diese nicht einsichtig sind, mit einer Klage zu drohen und diese dann auch durchzuziehen.

Hunde müssen lernen, eine gewisse Zeit alleine zu Hause zu sein, und einem Welpen muss man das in kleinen Schritten beibringen. Oft wird zu einem «Beller» ein zweiter Hund geholt, der Sicherheit geben und «Gspanen» sein soll, damit der «Beller» nicht so alleine ist. Leider ist das oft die falsche Lösung – wenn der zweite Hund kein absolut «sicherer» Hund ist, wird er innert Kürze mitbellen. Jetzt sind es zwei «Unglückliche» – und der Bellpegel ist noch höher!

Verhaltenstierarzt beiziehen

Die Hundebesitzer sollten bei einem Verhaltenstierarzt Rat holen (www.stvv.ch). Dieser wird mit ihnen eine Therapie ausarbeiten. Eventuell setzt er auch ein Medikament ein, welches hilft, das Ziel schneller zu erreichen (daher ein Verhaltenstierarzt; nur er wird das richtige Medikament einsetzen). Eine andere Lösung wäre, die Hunde tagsüber ins Tierheim zu geben. Dort werden sie in kleinen Rudeln gehalten, und oft sind immer dieselben Tiere beisammen, was es für die Hunde viel einfacher macht. Eines ist klar: Es muss etwas unternommen werden, nicht nur den lärmgeplagten Menschen, sondern auch den Hunden zuliebe!

Hinweis: Zum rechtlichen Aspekt dieser Frage erscheint am Mittwoch, 19. Juni, ein Ratgeber Recht.

*Dr. med. vet. Susi Paul, Meggen, ist Fachtierärztin für Verhaltens­medizin STVV

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