Ratgeber

Karitative Spenden: Wie organisiere ich das am besten?

Ich, 73 (w., verwitwet, zwei erwachsene Kinder), möchte gerne eine gemeinnützige Organisation unter­stützen. Soll ich zu Lebzeiten einen Betrag schenken oder im Testament diese Begünstigung aufführen? Worauf muss ich achten? Müssen karitative Organisationen auch Erbschaftssteuern zahlen?

Chantal Bösiger*
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Chantal Bösiger.

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Grundsätzlich können Sie zu Lebzeiten frei über Ihr Vermögen verfügen. Denken Sie dabei jedoch an ein «Polster» für das Alter. Wenn Sie Ihr Vermögen verschenken, können Ihnen bei einem späteren Fehlbetrag Ansprüche aus den Sozialwerken (wie etwa die Ergänzungsleistungen) aufgrund des freiwilligen Vermögensverzichts gekürzt werden. Steuerlich ist diese Variante für Sie jedoch vorteilhaft, da Sie die Zuwendung vom steuerpflichtigen Einkommen abziehen können.

Sofern Sie Zuwendungen erst auf den Tod hin ausrichten wollen, müssen Sie diese Begünstigung in einer letztwilligen Verfügung (Testament oder Erbvertrag) festhalten. Idealerweise gestalten Sie die Begünstigung als Vermächtnis aus. Dies hat zur Folge, dass die gemeinnützige Organisation nicht Teil der Erbengemeinschaft wird und dadurch kein Mitspracherecht im Erbgang hat. Ich empfehle Ihnen zudem, die beabsichtigte Spende in Form eines Prozentbetrags und nicht als fixen Betrag darzustellen. Dies aufgrund der Überlegung, dass Sie zur Zeit der Niederschrift nicht einschätzen können, wie gross Ihr dereinstiger Nachlass sein wird.

Pflichtteile beachten

Bei der Überlegung, wie hoch die Zuwendung ausfallen soll, sind vor allem auch die Pflichtteilsrechte Ihrer Kinder zu beachten. So erhalten diese – wenn nichts anderes verfügt wurde – von Gesetzes wegen Ihren gesamten Nachlass als nächste gesetzliche Erben. Wenn Sie ihre Kinder auf den Pflichtteil setzen, dann können Sie aktuell nur über 25 Prozent Ihres Nachlasses frei verfügen – 75 Prozent sind für Ihre Nachkommen reserviert. Aktuell laufen politische Diskussionen, den Pflichtteil für Nachkommen auf 50 Prozent zu reduzieren.

Falls Sie mit einer Verfügung durch Schenkung oder mittels Testament die Pflichtteile Ihrer Kinder verletzen, können sich diese wehren. Das Gesetz sieht vor, dass Schenkungen, die Sie als Erblasser frei widerrufen konnten oder die Sie während der letzten fünf Jahre vor Ihrem Tode ausgerichtet haben, von Ihren Kindern angefochten werden können. Das Gleiche gilt für Schenkungen, die offenbar zum Zwecke der Umgehung der Pflichtteilsvorgaben vorgenommen wurden. Solche Schenkungen unterliegen auch keiner Verjährung, allerdings liegt die Beweislast bei den Kindern selbst.

Das rechtliche Instrument dazu ist die Herabsetzungsklage (vgl. Art. 527 ZGB). In erster Linie werden bei einer solchen Klage zuerst die Zuwendungen auf den Tod hin herabgesetzt. Die Zuwendungen zu Lebzeiten werden erst berücksichtigt, wenn die Pflichtteile der Kinder noch nicht hergestellt sind.

Gemeinnützige Organisation sind in den meisten Kantonen von einer Schenkungs- und/oder Erbschaftssteuer befreit, sofern sie ihren Sitz in der Schweiz haben.

* Chantal Bösiger, MLaw, ist Rechtsanwältin, Expertin für Erbrecht, Luzerner Kantonalbank AG in Luzern, www.lukb.ch

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