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Karpaltunnelsyndrom: Ist die Operation wirklich noch nötig?

Ich (w, 55) habe an beiden Händen ein starkes Karpaltunnelsyndrom. Eine OP beidseits wurde empfohlen. Nun sind aber die Schmerzen und das Einschlafen der Hände fast verschwunden. Muss ich trotzdem operieren?
Dr. med. Dominik Hoigné*

Von einem Syndrom spricht man, wenn verschiedene Symptome kombiniert vorkommen. Beim Karpaltunnelsyndrom sind das etwa eine Sensibilitätsstörung vom Daumen bis zum Ringfinger, Schmerzen, die teils bis in den Arm ziehen, und ein Muskelschwund am Daumenballen.

Dr. med. Dominik Hoigné.

Dr. med. Dominik Hoigné.

Auslöser für diese Symptome ist ein erhöhter Druck im Karpalkanal. Wenn der Druck im Kanal grösser ist als der Druck in den kleinen Blutgefässen im Nerv, kommt es zu einer Durchblutungsstörung und somit zu einem Funktionsverlust des Nervens.

Mögliche erkennbare Ursachen sind eine Schwellung des Gewebes infolge Überlastung, eine Schwangerschaft oder ein Handgelenksbruch. Meist bleibt die genaue Ursache aber unbekannt. Das Karpaltunnelsyndrom kommt in Ihrem Alter und bei Frauen besonders häufig vor.

Der Druck im Karpalkanal lässt sich verstärken, indem das Handgelenk gebogen wird. Im Schlaf nimmt man diese Handgelenksstellung oft unbewusst ein und erwacht dann wegen der schmerzhaften Durchblutungsstörung im Nerv.

Auch wenn die Diagnose in der Regel nur aufgrund der Beschwerden und der einfachen klinischen Untersuchung gestellt werden kann, wird oft eine weitere Diagnostik gewünscht.

Durch die permanente Stauung der Blutgefässe des Nervs im Karpalkanal wird der Nerv am Eingang des Kanals aufgetrieben. Diese Verdickung lässt sich mit der Sonografie nachweisen. Der Mittelhandnerv misst an dieser Stelle normalerweise knapp unter ­1 cm2. Durch die Stauung können in Extremfällen bis über ­ 3 cm2 aufgetrieben werden.

Eine andere Methode ist die Neurographie, bei der Stromimpulse durch den Nerv gelassen werden. Die Verzögerung und die Abschwächung der Impulse werden gemessen und geben Auskunft über die Schwere der Schädigung.

Als erste therapeutische Massnahme bei einem Karpaltunnelsyndrom dient eine Handgelenksschiene während der Nacht. Sie verhindert eine Biegung des Handgelenks und damit einen zusätzlichen Druckanstieg im Karpalkanal. Abschwellende Massnahmen können auch helfen, den Druck zu reduzieren. Kortison ist ein starker Entzündungshemmer und kann in seltenen Fällen eingesetzt werden.

Syndrom bildet sich manchmal zurück

Bei anhaltenden Beschwerden kann der Nerv mit einer chirurgischen Spaltung des Karpaldaches entlastet werden. Die Spaltung ist in lokaler oder regionaler Betäubung gut machbar und gehört mit über 20000 Eingriffen pro Jahr in der Schweiz zu den häufigsten Operationen. Die Durchblutung des Nervs verbessert sich sofort, und das schmerzhafte Kribbeln geht weg. Wenn der Nerv aber vor der Operation zu lange ungenügend durchblutet war, können gewisse Ausfälle für immer bleiben.

In besonderen Fällen bildet sich das Karpaltunnelsyndrom aber auch von selbst zurück. Das kann sein, wenn eine Überlastung wegfällt oder nach einer Schwangerschaft oder auch ohne erkennbaren Grund. In Ihrem Fall klangen die Symptome spontan ab. Ich nehme an, die Sensibilität ist auch gut. In diesem Fall können Sie mit einer Operation noch zuwarten und den weiteren Verlauf beobachten.

* Dr. med. Dominik Hoigné ist Facharzt für Handchirurgie, www.hirslanden.ch/sh.

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