Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ratgeber

Kniearthrose: Empfiehlt sich wirklich eine zweite OP?

Vor vier Jahren wurde mir (w, 72) ein Teil-Kniegelenk eingesetzt, leider ohne grossen Erfolg. Die chronischen Schmerzen werden nun zusammen mit der Bakerzyste immer schlimmer, nachts fast unerträglich. Laut dem Orthopäden kann nur ein Auswechseln des Gelenks das Problem lösen. Was halten Sie von einer Zweit-OP?
Dr. med. Eckhard Wengler*

Typischerweise wird der Teil-Gelenkersatz (unikondylärer Gelenkersatz) bei einer einseitigen Kniegelenkarthrose, innen oder aussen, angewendet. Mehrheitlich ist das Gelenk auf der Innenseite zerstört, der Gelenkknorpel abgenutzt und der Meniskus zerstört. Konservative Behandlungsmassnahmen wie Physiotherapie, Gelenkinfiltrationen oder eine Arthroskopie helfen dann häufig nicht mehr, und Gelenkersatz wird notwendig.

Dr. med. Eckhard Wengler.

Dr. med. Eckhard Wengler.

Mit der Zerstörung des Kniegelenkes bildet sich häufig wie bei Ihnen in der Kniekehle eine sogenannte Bakerzyste. Das ist eine flüssigkeitsgefüllte Raumforderung, welche zu Druck auf die umliegenden Nerven/Gefässe und auch die Muskulatur führen kann. Schmerzverursachend sind dann häufig sowohl die Kniegelenkarthrose als auch die Bakerzyste! Beim Gelenkersatz wird eine Bakerzyste tatsächlich nicht operativ entfernt, da sich diese nach der operativen Intervention meistens zurückbildet oder keine Beschwerden mehr verursacht.

Bleiben die Schmerzen dennoch, empfiehlt sich die Suche nach der Ursache. Ist es tatsächlich die Zyste, die schmerzt, oder ist es ein anderes Problem, das im Gelenk verblieben ist? Test-Infiltrationen mit einem lokalen Betäubungsmittel können helfen, die Ursache zu ergründen. Auch die bildgebende Diagnostik mittels MRT oder Szintigrafie (Spect-CT) kann helfen, die Schmerzursache zu finden. Insbesondere eine Lockerung der Gelenkprothese oder auch eine Infektion sollten ausgeschlossen werden.

Erst nach diesen Massnahmen empfiehlt es sich zu entscheiden, ob tatsächlich ein Wechsel sinnvoll oder sogar notwendig ist. Bei fehlenden Hinweisen auf eine Lockerung der Gelenkprothese oder einem fehlendem Nachweis für anderweitige Schäden im Kniegelenk ist ein Prothesenwechsel voraussichtlich nicht erfolgversprechend! Leider werden heute Teilgelenkprothesen sehr häufig verfrüht gewechselt, ohne sicheren Nachweis der Schmerzursache. Dies in der Annahme, dass auch die Gegenseite oder die Patella (Kniescheibe) schmerzverursachend sind.

In sehr vielen Fällen besteht jedoch eine muskuläre Schwäche, die behoben werden muss, um tatsächlich eine normale Funktion ohne Schmerzen zu erreichen.

Häufig wird die Rehabilitation nicht zu Ende geführt, dann verbleibt ein muskuläres Defizit, was wiederkehrende Schmerzen und Überlastungen nach sich zieht. Nach einer solchen Operation bekommt man in der Regel eine Physiotherapie, die nach 3 bis 4 Monaten abgeschlossen wird. Danach ist jedoch unbedingt ein weiteres muskuläres Aufbautraining, selbstständig, angeraten. Da das Auffinden der Schmerzursache in einem solchen Fall tatsächlich nicht ganz einfach ist, empfehle ich Ihnen unbedingt die Einholung einer zweiten, unabhängigen Meinung.

* Dr. med. Eckhard Wengler ist Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates; www.hirsladen.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.