Ratgeber

Mein Mann fährt alkoholisiert und fühlt sich gut dabei

Mein Mann (59) und ich (57) haben oft Streit punkto Alkohol und Autofahren. Obwohl wir es vorher anders vereinbaren, trinkt er auswärts dann doch viel mehr und liegt dann sicher über der Toleranzgrenze. Wenn ich ihn im Auto kritisiere, wird er laut und meint, er fahre mit Alkohol sogar besser als nüchtern. Was kann ich tun?

Josef Jung*
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Josef Jung.

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Auf die Aussage Ihres Mannes, dass er alkoholisiert besser fährt als nüchtern, muss kaum eingegangen werden, da dies sämtlichen Erfahrungen widerspricht. Und zu Ihnen als Beifahrerin: Bei einem Betrunkenen mitzufahren, ist grobfahrlässig und hat beim verletzten Mitfahrer auch Leistungskürzungen der Versicherungen (etwa bei den Krankentaggeldern) zur Folge.

Offenbar läuft die Auseinandersetzung mit Ihrem Mann in einem sich wiederholenden Gesprächsmuster ab, das sich eingespielt hat und deshalb ziemlich veränderungsresistent ist. Schauen wir die Sache aus der Sicht Ihres Mannes an:

Obwohl Sie es anders vorbesprochen haben, trinkt er. Dann steigen Sie zusammen ein, und er fährt los. Inzwischen weiss Ihr Mann, dass nun eine Phase der «unangenehmen Geräusche» folgt. Sie machen ihm Vorhaltungen, dass er sich nicht an die Abmachungen halte usw. Wenn er genug davon hat, wird er laut, was dazu führt, dass Ihre Geräusche verstummen. Er hat dann seine Ruhe, kann weiterfahren und denkt, so ernst werden Sie es ja nicht gemeint haben, schliesslich fahren Sie ja mit.

Die Auswirkung ist, dass mit jeder Runde Ihre Glaubwürdigkeit in den Augen Ihres Mannes sinkt und er sich durch Ihr Mitfahren bestätigt fühlt.

Mit dem Taxi fahren

Wenn Sie dieses Muster verändern möchten, liegt die Verantwortung bei Ihnen. Er sieht ja keinen Handlungsbedarf. Wenn Sie Ihren Worten wieder Glaubwürdigkeit verleihen und bei Ihrem Mann diesbezüglich wieder respektiert werden möchten, müssen Sie die Taten, die Ihren Worten folgen sollen, ankündigen und dies dann auch strikt einhalten.

Sie eröffnen Ihrem Mann zum Beispiel, dass Sie mit dem Taxi oder dem ÖV nach Hause fahren, sollte er sich nicht an die Vereinbarung punkto Alkoholkonsum halten. Das wird Ihr Mann wohl erst mal als ärgerliche Erhöhung des Geräuschpegels abtun. Wenn er sich dann nicht so verhält wie vereinbart, sind Sie gefordert, zu handeln, und zwar ohne weitere «Geräusche» zu verursachen. Ganz einfach nach dem Motto: Das habe ich gesagt, und das mache ich jetzt auch.

Daheim konsequent bleiben

Die Umsetzung ist zwar schwer, sehr schwer sogar. Aber möglich. Sie müssen den Mut aufbringen, ein Verhaltensmuster zu verlassen. Zudem wird sich Ihr Mann blossgestellt fühlen, speziell wenn noch andere Personen anwesend sind und Zeugen der «Revolte» werden.

Auch die Situation daheim, nachdem Sie auf unterschiedlichen Wegen eingetroffen sind, wird eine Herausforderung. Er wird wohl versuchen, Sie durch Lautstärke ins alte Verhaltensmuster zurückzubewegen. Dann sind Sie gleich nochmals gefordert: keine Diskussion, kein Argumentieren. Alles, was es dazu zu sagen gibt, haben Sie ja längst schon mehrfach gesagt. Machen Sie ihm klar, dass Sie nächstes Mal genau handeln werden! Ich wünsche Ihnen den Mut, den Worten Taten folgen zu lassen.

* Dr. phil. Josef Jung, Hitzkirch, ist eidg. anerkannter Psychotherapeut; www.psychotherapie-jung.ch

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