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Ratgeber

Mein Partner ist pornosüchtig – Was kann ich tun?

Mein Partner ist pornosüchtig. Wir machen zusammen eine Paartherapie. Ich merke, dass ich für mich persönlich noch weitere Unterstützung benötige. Gibt es eine Selbsthilfegruppe für betroffene Partnerinnen? Woher kann ich sonst Hilfe erhalten? Auch die Kinder merken, dass etwas nicht stimmt. Wie gehe ich damit um?
Eugen Bütler*

Sucht entsteht meist schleichend und wird zunächst nicht als solche erkannt. Wer mehr als zwei alkoholische Getränke pro Tag trinkt, gilt als alkoholsüchtig. Die wenigsten werden aber in diesem Stadium ihr Trinken als Sucht bezeichnen.

Eugen Bütler.

Eugen Bütler.

Ähnlich könnte es sich zu Beginn bei Ihrem Mann verhalten haben. Er fand nichts daran, ab und zu pornografische Filme zu suchen. Die Frage ist: Wie steht es heute damit? Verbringt er zwar Stunden vor dem PC, hat aber die Einsicht, dass es eine Sucht ist? Dann gibt es die Chance, dass er sich daraus wieder herauslösen kann. Anderenfalls geht die Möglichkeit einer Veränderung gegen Null.

Sie müssen mit dem Wissen umgehen, dass Ihr Partner sich stundenlang mit intimen Darstellungen von anderen Frauen abgibt. Vermutlich hat dadurch Ihre gemeinsame Sexualität gelitten. Es könnte aber auch umgekehrt sein: Ist das eingeschlafene Liebesleben – eventuell sogar durch Ihren eigenen Rückzug – eine tiefere Ursache seiner Sucht? Oder hat seine Sucht dazu geführt, dass die Anziehung zwischen Ihnen abgenommen hat? Beides kann sich gegenseitig beeinflussen. Ich empfehle Ihnen, im Gespräch herauszufinden, was Ihrem Partner oder Ihnen beiden in der Sexualität fehlt. Welche Bedürfnisse sind nicht erfüllt, welche Formen haben Ihnen oder Ihrem Mann nicht entsprochen?

Ursachen bis zur Kindheit

Ihr Mann müsste sich darauf einlassen, Schritt für Schritt seine Sucht abzubauen. Das ist nicht einfach. Wenn es gelingt, die Lust wieder vermehrt in der Beziehung zu beheimaten, wird es ihm leichterfallen, manches loszulassen und den Pornokonsum zu reduzieren.

Für ihn bedeutet Lust derzeit vermutlich vor allem, im Internet sexuellen Bildern nachzujagen und sich davon stimulieren zu lassen. Eine Sucht ist es dann, wenn es zum Zwang geworden ist. Oft steht dahinter eine Mangelerfahrung oder eine Verletzung, die ihren Ursprung bis in die frühe Kindheit haben kann. Eine Therapie müsste auch da ansetzen. Es geht also um zwei Fragen: Wo sind die Ursachen des Pornokonsums? Und wie kann die Lust wieder in die Beziehung zurückkehren?

Natürlich ist es nicht einfach, diese Form der Sexualität bei Ihrem Mann anzunehmen. Vielleicht gelingt es Ihnen ein Stück weit, obwohl Sie sich wohl zurückgewiesen und verletzt fühlen. Es lohnt sich für Sie, diese Gefühle wahrzunehmen, therapeutisch anzugehen oder in einer Selbsthilfegruppe darüber zu reden. Infos über Angebote in den jeweiligen Regionen gibt es im Internet.

Sind Sie beide entschlossen, an sich zu arbeiten, dann sind Fortschritte möglich. Wenn Ihr Mann oder Sie selber dazu nicht bereit sind, stellt sich die Frage, wieweit eine Beziehung in umfassender Form noch möglich ist. Ich wünsche Ihnen Klarheit, was für alle – auch für Sie! – das Beste ist.

* Eugen Bütler, Luzern, ist psychologischer Berater, dipl. Ergotherapeut, Theologe, Einzel- und Paarberatung; www.buetlercoaching.ch

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