Ratgeber

Mein verheirateter Liebhaber hat mich abserviert

Zwei Jahre lang war ich (w, 29) mit einem verheirateten Mann (42, zwei Kinder) zusammen. Er sagte mir stets, dass er sich von seiner Frau trennen wolle. Diese hat nun ein SMS von mir entdeckt und ihn vor die Wahl gestellt. Er hat sich für die Familie entschieden und mich fallengelassen. Ich bin wütend und schäme mich auch.

Birgit Kollmeyer*
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Sie sind nicht die Einzige, die sich auf eine Beziehung eingelassen hat in der Annahme, dass die andere Person vor­habe, sich vom festen Partner zu trennen. Doch dies wird dann aus verschiedenen Gründen immer wieder verschoben, während die Nebenbeziehung aufrechterhalten wird.

Birgit Kollmeyer.

Birgit Kollmeyer.

Ich sehe einen grossen Teil der Verantwortung bei der Person, die Versprechungen macht, vertröstet und um Verständnis für ihre schwierige Situation und um Geduld bittet. Manche Menschen wollen beides: den sicheren Hafen einer Ehe und die belebende, prickelnde Nebenbeziehung. Eine klare Entscheidung zugunsten der Nebenbeziehung zu treffen, würde bedeuten, vieles aufzugeben: ein Zuhause, vielleicht ein Haus, eine Familie, das gewohnte Leben. Gerade wenn Kinder da sind, ist es natürlich schwierig, zu gehen und die Kinder dann seltener zu sehen.

Sich jemandem anvertrauen

Aber trotzdem: Es ist nicht in Ordnung – neben dem Betrug am Ehepartner – jemandem Hoffnung zu machen und hinzuhalten. Ich verstehe Ihre Wut daher sehr gut: Das Verhalten des Mannes, wie Sie es schildern, war tatsächlich verantwortungslos. Es tut mir leid für Sie, dass Sie sich allein damit fühlen, da Sie sich aus Scham oder auch aus Sorge, verurteilt zu werden, vielleicht niemandem anvertrauen mögen. Meinen Sie nicht, dass eine gute Freundin oder ein guter Freund (oder vielleicht eine Beraterin/ein Berater) Sie verstehen würde? Es würde Ihnen vermutlich guttun, sich aussprechen zu können.

Wenn Sie es trotzdem nicht wagen, sich jemandem mit dem, was Sie erlebt haben, zu öffnen, können Sie Ihren Gefühlen in einem Brief, den Sie nicht abschicken, Ausdruck verleihen. Schreiben Sie all Ihre Wut, Ihren Schmerz und Ihre Traurigkeit nieder. Sie dürfen in dem Brief den Mann ruhig auch beschimpfen, wenn Ihnen das hilft. Verbrennen Sie den Brief dann anschliessend wie in einem Ritual. Und tun Sie sich danach etwas Gutes: Kochen Sie sich etwas Feines oder gönnen Sie sich einen Wellness-Besuch.

Sich selber verzeihen

Wichtig ist für Sie, dass Sie sich verzeihen, dass Sie sich auf den Mann eingelassen und seinen Versprechungen geglaubt haben, obwohl er verheiratet war. Jetzt im Nachhinein wissen Sie, dass dies ein Fehler war. In der Situation konnten Sie das nicht klar sehen. Sie haben seinen Versprechungen geglaubt, da Sie vermutlich verliebt waren.

Reflektieren Sie aber jetzt ehrlich für sich: Was würden Sie in einer ähnlichen Situation anders machen, damit Ihnen so etwas nicht noch einmal geschieht? Können Sie trotz der negativen Erfahrung für sich daraus etwas mitnehmen und lernen? Auch wenn es für Sie noch in weiter Ferne liegt, werden Sie hoffentlich irgendwann das Geschehene abschliessen, ohne Verbitterung oder Scham nach vorne blicken und einem neuen Partner wieder vertrauen können.

* Birgit Kollmeyer ist dipl. Psychologin, Paar- und Sexualtherapie, Bern.

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