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Ratgeber

Meine Frau möchte mir die Feierabendbiere verbieten

Ich (m, 46) trinke jeden Abend gemütlich drei Flaschen Bier. Meine Frau möchte mir dies verbieten, dabei habe ich sicher nicht mehr als die doch unbedenklichen 0,5 Promille im Blut. Trinke ich trotzdem zu viel?
Martha Figueira*

Viele Menschen fragen sich, ob ihr Trinkverhalten oder dasjenige von Angehörigen oder Bekannten noch im vernünftigen und gesunden Rahmen liegt.

Martha Figueira.

Martha Figueira.

Die Eidgenössische Kommission für Alkoholfragen (Ekal) hat Empfehlungen für den risikoarmen Konsum für gesunde Männer und Frauen ausführlich auf ihrer Internetseite publiziert. Zusammengefasst beträgt die tägliche Dosis Alkohol, die nicht überschritten werden sollte, für Männer 2 Stangen Bier oder 2 dl Wein, für Frauen die Hälfte dieser Menge. Zusätzlich sollten mindestens zwei Tage in der Woche alkoholfrei gestaltet werden.

Trinkt man regelmässig mehr, können körperliche Schäden entstehen, die oft erst mit längerer zeitlicher Verzögerung auftreten. Je nach gesundheitlicher und emotionaler Ausgangslage sowie sonstigen Trinkumständen können auch psychische, soziale oder gar rechtliche Schwierigkeiten erfolgen.

Wichtig zu wissen: Eigenes Empfinden und tatsächliche Wirkung des Alkoholkonsums können voneinander abweichen. Das subjektive Gefühl der vermeintlichen Nüchternheit kann dazu führen, dass man glaubt, trotz erhöhtem Promillewert zum Beispiel noch fahrtauglich zu sein.

Der Alkoholabbau im Körper unterscheidet sich je nach Person, Alter und Situation stark. Körper und Psyche dämpfen aufgrund von Gewöhnung zwar die Wahrnehmung der Alkoholwirkung, den Promillewert kann man aber nicht beeinflussen. Tatsache ist, dass schon ab 0,2 Promille Blut­alkohol Veränderungen in der Sehleistung und Konzentrationsfähigkeit entstehen und die Kritik- und Urteilsfähigkeit beeinträchtigt wird. 0,5 Promille Blutalkohol ist lediglich ein rechtlicher Kompromissgrenzwert, zum Beispiel zur Handhabe für den Strassenverkehr, und der Wert sollte nicht als Richtgrösse für den Alltag dienen.

Wunsch der Frau ernst nehmen

Nebst diesen Fakten und Empfehlungen kann aus der Kritik Ihrer Frau der Wunsch nach Veränderung Ihres Verhaltens abgeleitet werden. Dahinter stehen Ihnen eventuell bekannte oder auch verborgene Erfahrungen, Sorgen, Hoffnungen oder vielleicht auch Enttäuschungen Ihrer Frau. Um nicht in eine unergiebige Diskussion über Trinkmenge und Promillewerte zu geraten, wäre es zu Gunsten Ihrer Paarbeziehung hilfreich, die persönlichen Gründe für den Veränderungswunsch Ihrer Frau und Ihr eigenes Bedürfnis nach den Feierabendbieren zu entdecken und darüber auszutauschen.

Weshalb kritisiert sie Ihren Bierkonsum? Welche Erwartungen oder Befürchtungen hängen damit zusammen? Versuchen Sie, so sachlich wie möglich an die Thematik heranzugehen, wie Sie und Ihre Frau die Abende erleben, verbunden mit der Frage, wann ein Feierabend für Sie beide eine schön und erholsam gestaltete Zeit ist.

Wünschenswert wäre, wenn sowohl Sie selbst als auch Ihre Frau einen Weg fänden, dass alle im selben Haushalt lebenden Personen mehr Zufriedenheit erleben könnten. Wenn Sie voneinander die jeweiligen Vorstellungen und Wünsche kennen und diese unbedrohlich aussprechen dürfen, fühlen sich alle ernst genommen und die Unzufriedenheiten oder Sorgen werden nicht entwertet. Dies könnte zur Entspannung in der Beziehung führen und zu hoffentlich auch mehr Wohl­befinden für Sie selbst.

* Martha Figueira ist Sozialarbeiterin FH, Systemische Beraterin IEF, Sozialberatungszentrum SobZ Luzern, www.sobz.ch.

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