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Ratgeber

Meine Frau möchte verführt werden

Meine Frau und ich (49/52) sind seit über 20 Jahren verheiratet. In letzter Zeit sagt mir immer wieder, dass sie gerne öfter verführt werden möchte, um mehr Lust auf Sex zu bekommen. Wenn ich ehrlich bin, muss ich ­zugeben, dass ich gar nicht (mehr?) weiss, wie man eigentlich jemanden verführt.
Birgit Kollmeyer*

Fragen Sie Ihre Frau doch einmal, was auf sie verführerisch wirkt, was ihr Lust auf Sex macht. Denkt sie bei Verführung an bestimmte Verhaltensweisen? Oder an Situationen wie eine Massage oder Baden bei Kerzenlicht? Kreativ zu sein, sich etwas Neues einfallen zu lassen, hilft vielen Paaren, immer wieder einmal etwas erotische Spannung ins Sexualleben zu bringen.

Birgit Kollmeyer.

Birgit Kollmeyer.

Das braucht natürlich auch Mut, weil man ja nie genau weiss, wie die andere Person auf das Thema reagieren wird. Nehmen Sie es gelassen, wenn Ihre Idee nicht ankommt, denn es ist in jedem Fall positiv, ein Angebot gemacht zu haben.

Sie könnten, wenn Sie mögen, Ihrer Frau auch anbieten, ihr einen sexuellen Wunsch zu erfüllen. Darüber zu sprechen, fällt den meisten Paaren nicht leicht. Aber Ihre Frau hat ja schon mit dem Ansprechen des Verführens einen Anfang gemacht. Vielleicht ist es ja möglich, dass Sie beide sich konkreter austauschen.

Spiel mit Nähe und Distanz

Beim Äussern von Wünschen ist es wichtig, dass man der anderen Person immer die Freiheit lässt, ob sie einen Wunsch erfüllen möchte oder nicht – oder vielleicht so nicht, aber anders.

In der Regel brauchen Männer und Frauen Entscheidungsfreiheit und Selbstbestimmung, um Lust auf Sex entwickeln zu können. Sich unter Druck zu fühlen, ist für die meisten Menschen lusttötend. Verführung hat etwas mit Spiel zu tun, mit Leichtigkeit. Man spielt mit Nähe und Distanz: Man nähert sich an und zieht sich auch wieder zurück.

Das kann etwa so aussehen, dass man eine schöne Atmosphäre herstellt und den anderen dort «abholt», wo er steht, indem man aufmerksam auf seine Reaktionen achtet. Geht der andere nicht auf die Annäherung ein, nimmt man sich zurück und nähert sich ein wenig später wieder an – ganz unverbindlich. Wenn jemand den Eindruck hat, dass der andere nur zärtlich ist, damit man sich auf Sex einlässt, wird das kein Begehren auslösen.

Vielleicht erstaunt es Sie zu lesen, dass Lust sich «entwickeln» kann. Rund 70 Prozent der Männer sagen, dass sich ihr Begehren so anfühlt, als ob es plötzlich da ist: Sie haben ein «spontanes Begehren». Bei Frauen ist das weniger häufig. Auf der anderen Seite entwickeln rund 70 Prozent der Frauen – aber viel weniger Männer – Lust erst im Laufe einer sexuellen Begegnung: Das ist das sogenannte «responsive Begehren». Sie brauchen eine passende Situation und eine entsprechende Stimmung dazu.

Kleine Botschaften im Alltag

Was das konkret bedeutet, muss jede Person für sich selbst herauszufinden versuchen. Für viele ist eine wichtige Basis emotionale Nähe durch persönlichen Austausch und durch ein Gefühl der gegenseitigen Bezogenheit. Schöne Zeit zu zweit zu verbringen, zusammen das Leben zu geniessen, aber auch sich selbst auf Sexualität einzustimmen, können dazugehören. Ebenso mögen es kleine persönliche Botschaften oder Berührungen sein, die Sie einander ohne bestimmtes Ziel im Alltag geben.

* Birgit Kollmeyer ist dipl.-Psychologin, Paar- und Sexualtherapie, Bern.

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