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Meine Schwester sieht sich immer in der Opferrolle

Wie kann man Menschen begegnen, die sich immer in der Opferrolle fühlen und die Schuld den 
anderen zuweisen? Meine Schwester etwa verhält sich so. Ich versuche dann, vernünftig mit ihr zu reden, aber sie hält stur an ihrer Sicht fest. Das ist verletzend für alle, die es doch gut mit ihr meinen. Was kann ich tun?

Andrea Munz*
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Wenn jemand einen Sachverhalt stets aus der gleichen Perspektive beurteilt, macht dieses Muster für die Person offenbar Sinn. Oder sie zieht einen Vorteil daraus. Doch was könnte vorteilhaft daran sein, stets andere Menschen oder die Umstände verantwortlich zu machen für eine unbefriedigende Situation und dabei den eigenen Anteil auszublenden?

Andrea Munz.

Andrea Munz.

Es ist eben einfach und bequem, die Schuld anderen in die Schuhe zu schieben, weil man dann nicht überlegen muss, was man selber zur Verbesserung beitragen könnte. Man kann sich bemitleiden und fühlt sich in der Regel im Recht. Kurzfristig mag diese Strategie das eigene Leid etwas lindern, aber das Problem lässt sich dadurch nicht beseitigen.

Wenn jemand nicht bereit ist, das eigene Verhalten kritisch zu reflektieren, löst dies im Umfeld früher oder später Irritation und Unmut aus.

Man darf unterbrechen

Die Frage ist, wie man etwa als Angehörige oder Freund damit umgeht: Man kann die Faust im Sack machen und den Frust anderswo rauslassen. Man kann der Person aus dem Weg gehen. Oder man das Problem ansprechen und die Person mit der Wirkung ihres Verhaltens konfrontieren. Wichtig ist, den eigenen Spiel- und Verantwortungsraum zu sehen.

Man muss sich die unreflektierten Darstellungen nicht dauernd anhören. Man darf Gespräche auch abbrechen. Etwa indem man sagt: «Ich möchte mit dir nicht länger über dieses Thema reden, da sich so nichts an der Situation verändert.» Jeder entscheidet selber, wem er wie lange seine Ohren zur Verfügung stellt. Über Feedback kann man eine Veränderung auslösen. Die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg gibt eine hilfreiche Struktur vor:

1. Fakten und Beobachtungen sachlich darstellen: Ich sage anderen, was ich gesehen und gehört habe, ohne es zu interpretieren und zu beurteilen.

2. Ich teile mit, welche Emotionen das Verhalten des Gegenübers bei mir ausgelöst hat. Gegen meine Gefühle kann niemand etwas einwenden; sie sind so, wie sie sind. Wichtig ist, keine Du-Botschaften zu senden, etwa «Du bist arrogant», da dies beim Gegenüber zu einer Verteidigungsposition führt.

3. Ich betone, was mir wichtig ist im Kontakt mit der anderen Person, etwa dass ich sie schätze oder dass die Zusammenarbeit gut ist. Und dass es mir wichtig ist, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Bei Menschen, welche den Eigenanteil an der Verantwortung ausklammern, ist oft wenig gemeinsames Problembewusstsein vorhanden.

4. Ich äussere einen Wunsch an die andere Person, etwa was sie beitragen könnte, um die Situation zu verbessern.

Gegenseitiges konstruktives Feedback ist ein Nährboden für private und berufliche Beziehungen. Sollte sich die Situation dennoch nicht verändern, muss man sich überlegen, den Kontakt zumindest für eine Weile abzubrechen.

* Andrea Munz ist lic. phil. Psychologin, Super­visorin, Organisationsberaterin BSO, Coach, www.andreamunz.ch

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