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Ratgeber

Muss ich «Schwyzerdütsch» mit ihm sprechen?

Einer meiner Arbeitskollegen stammt aus Deutschland. Wenn ich mit ihm spreche, verfalle ich immer automatisch ins Hochdeutsche, obwohl ich mir dann immer etwas eigenartig vorkomme und mich mit meinem schweizerdeutschen Akzent minderwertig fühle. Er hat mir auch schon gesagt, dass ich Schweizerdeutsch mit ihm sprechen solle, er verstehe es sehr gut. Bin ich zu «unterwürfig»? Müsste sich eher der Deutsche anpassen?
Irène Wüest Häfliger

Ob in der Schule, im Job, im Fernsehen und am Radio oder beim Lesen und Schreiben: Hochdeutsch ist in der Schweiz allgegenwärtig. Trotzdem haben viele Schweizer mit der Standardsprache ihre liebe Mühe und tun sich mit dem hochdeutschen Vokabular schwer. Oft fühlen sich Schweizer mit ihrem schweizerdeutsch gefärbten Hochdeutsch mit den Deutschen nicht auf Augenhöhe, sprechen diese doch eher wortgewandt und schnell. Das führt bei Deutschschweizern gerne zu Minderwertigkeitsgefühlen und Antipathien.

Umgekehrt versuchen viele deutsche Einwanderer in der Schweiz, unsere Mundart zu lernen. So besuchen jährlich viele Deutsche einen Schweizerdeutschkurs. Sie studieren unsere Grammatik und büffeln Dialektwörter – doch kaum einer spricht dann die Mundart auch. Denn trotz der sprachlichen Verwandtschaft macht ihnen das Schweizerdeutsch Mühe.

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Das grösste Hindernis beim Lernen des «Schwyzerdütsch» sind für Deutsche gemäss einer Studie wir Schweizerinnen und Schweizer selber. Scheinbar helfen wir den Deutschen kaum in ihrem Bemühen, zum Schweizerdeutsch zu wechseln, reagieren negativ darauf und empfinden es als ein sich Eindrängen ins Schweizerische. Wenn ein Welscher Schweizerdeutsch spricht, finden wir das «scharmant». Ein deutscher Akzent aber kommt bei vielen negativ an.

Es empfiehlt sich, deutsche Kolleginnen und Kollegen zu fragen, ob es in Ordnung ist, wenn wir Schweizer mit ihnen in unserer Sprache sprechen. Deutsche – sofern sie Schweizerdeutsch verstehen – ziehen bei Schweizern nämlich Mundart vor. Offenbar wirken wir Schweizer dann authentischer, sagen eher, was wir denken, und blockieren uns nicht mit Übersetzen. Es bedingt aber auf jeden Fall, dass wir unsere eigene Sprache so sprechen – insbesondere die Endsilben deutlich aussprechen –, dass sie von Anderssprachigen so gut wie möglich verstanden wird.

Falls sich das Gegenüber aber doch Hochdeutsch wünscht, ist es nicht nötig, mit grösster Anstrengung die hochdeutsche Aussprache unseres Nachbarvolks zu imitieren, sondern es empfiehlt sich, unseren Akzent beizubehalten. Denn ein Deutscher hört den Schweizerton ohnehin immer heraus. Wir dürfen das Hochdeutsche auch bewusst mit typischen Dialektwörtern würzen – die meisten Deutschen hören die typischen Mundartausdrücke gern.

Sprache gehört zur Kultur und Kultur zur Identität. Unser «Schwyzerdütsch» ist die selbstverständliche Sprache unseres Deutschschweizer Alltags. Wir müssen uns unserer Sprache nicht schämen, uns schon gar nicht minderwertig vorkommen, sondern unsere Identität schätzen lernen.

Irène Wüest Häfliger ist Soziologin und Sozialpsychologin Kommunikationsberaterin. Weitere Infos: www.stilprofil.ch

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