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Ratgeber

Neben meinem Mann werde ich oft kaum beachtet

Ich (w, 32) habe Mühe, im Schatten meines Mannes zu stehen. Im Beisein anderer Leute werde ich oft nicht beachtet und stehe teilnahmslos daneben. Das sind für mich sehr unangenehme Situationen. Soll ich mich einfach entfernen? Ich getraue mich nicht, mich einzubringen, da ich Angst habe, etwas falsch zu machen.
Andrea Munz*

Sie beschreiben ein Gefühl, das viele Menschen kennen. Man begleitet den Partner oder die Partnerin an einen Anlass und steht dann im Raum wie bestellt und nicht abgeholt. Weiss Ihr Partner, wie es Ihnen geht, wenn Sie ihn begleiten? Versucht er, Sie in Gespräche einzubeziehen? Oder haben Sie den Eindruck, dass er selber Ihnen wenig Beachtung schenkt?

Es ist wichtig, Ihrem Mann mitzuteilen, was Ihnen Mühe bereitet und welches Verhalten von seiner Seite die Situation für Sie entspannen und erleichtern könnte. Überlegen Sie vorgängig, was Sie sich wünschen: Vielleicht können Sie Ihren Mann etwas weniger oft an für Sie «schwierige» Anlässe begleiten. Vielleicht kann Ihr Mann Sie bewusst mit Personen bekannt machen, mit denen Sie ein gemeinsames Thema teilen, oder er kann ein Stichwort in die Runde werfen, zu dem auch Sie sich äussern können.

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Nicht am Partner kleben

Möglicherweise erwartet Ihr Mann gar nicht, dass Sie stets an seiner Seite bleiben. Und es wäre für ihn in Ordnung, wenn Sie etwas länger bei anderen Personen verweilen, wo Sie sich ins Gespräch einbezogen fühlen. Manchmal bereitet auch die Sitzordnung Mühe, etwa wenn man zu weit weg vom Partner platziert wird. Eventuell kann Ihr Mann sich beim Gastgeber dafür einsetzen, dass Sie in seiner Nähe sitzen können.

Ein offenes Gespräch mit Ihrem Mann scheint mir ein wichtiger Schritt zu sein. Wenn Sie von ihm hören, dass er Ihre Anwesenheit schätzt, fällt es zuweilen auch etwas leichter, gewisse Repräsentationspflichten zu übernehmen. Wird man auf Dauer nur aus reiner Konvention mitgenommen, ist dies wirklich unbefriedigend.

Manchmal muss man auch den inneren Widerstand überwinden, indem man etwa nicht jeden neuen Anlass mit früheren gleichsetzt. Es könnte dieses Mal ganz anders verlaufen. Wenn man sich mit einer neugierigen, offenen, mutigen Haltung auf eine Situation einlässt, steigt die Chance, dass man positiv überrascht wird. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Dinge, die Sie an einem Anlass als wohltuend und hilfreich erleben. Die sich selber erfüllende Prophezeiung besagt, dass eintritt, was wir erwarten oder befürchten. Und ob man das Glas halb voll oder halb leer wahrnimmt, hängt von der eigenen Einstellung ab.

Fragen stellen

Trauen Sie sich, sich einzubringen. Das muss nicht zwingend mit einem eigenen Thema sein, das kann auch eine Vertiefungs- oder Verständnisfrage zu einer Aussage sein. Indem Sie anderen gegenüber Interesse zeigen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Gegenüber sich auch für Sie zu interessierten beginnt. Versuchen Sie, sich am Gespräch zu beteiligen, statt zu beobachten, denn dadurch werden Sie für andere Personen spannender und greifbarer. Machen Sie sich bewusst, dass nicht jeder jeden mögen kann. Fokussieren Sie sich auf Menschen und Situationen, die Ihnen sympathisch sind und in denen Sie Offenheit und Wohlwollen verspüren.

*Andrea Munz lic. phil. Psychologin, Supervisorin, Organisationsberaterin BSO, Coach, www.andreamunz.ch

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