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Oft regen mich andere Leute auf – wie bleibe ich cool?

Kürzlich im Bus hat ein Mann so laut in sein Smartphone gesprochen, dass ich richtig wütend geworden bin. Ich merke, dass ich mich in letzter Zeit immer öfter aufrege, vor allem über andere Menschen, die sich unflätig oder auffallend benehmen und keine Rücksicht zeigen. Eigentlich möchte ich gelassener bleiben. Wie schaffe ich das?

Margareta Reinecke *
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Margareta Reinecke.

Margareta Reinecke.

Das Thema, das Sie anschneiden, dürfte wohl vielen bekannt vorkommen. Zu überlegen, wie man mit solchen Situationen umgehen kann, ist nicht nur gut für die eigene Stimmung, sondern auch für die Gesundheit. Ärger geht meist mit der Aktivierung des vegetativen Nervensystems einher, konkret wird Adrenalin ausgeschüttet. Das Nervensystem bereitet sich damit sozusagen auf einen Notfall vor. Und was sollten wir in einem Notfall tun, um auf die Situation gut zu reagieren?

Zuerst einmal Ruhe bewahren und regelmässig atmen. Wenn wir uns aufregen, wird die Atmung hektisch. Beruhigen wir hingegen die Atmung, beruhigt sich auch der Geist. Damit ist Zeit gewonnen, sich zu entscheiden, ob und wie auf die Störung zu reagieren ist.

Damit nehmen wir unsere Unzufriedenheit auch ernst. Dies ist deshalb wichtig, weil wir uns oft über Dinge aufregen, die uns persönlich treffen. In solchen Situationen reagieren wir meist auf eine Weise, die wir nachträglich bedauern. Vorerst Abstand gewinnen ist daher immer eine gute Massnahme.

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Danach können wir hinterfragen, was wir gewinnen, wenn wir uns ärgern. Vermutlich gibt es keine befriedigende Antwort darauf. Gefahr entsteht auch durch die Körpersignale, die wir selber aussenden. Stirnrunzeln, Kopfschütteln, den anderen Anstarren etc. übermitteln dem Gegenüber Gefühle wie Wut und Verärgerung. Diese sind ansteckend, sodass die Person, die ärgert, höchstwahrscheinlich auch verärgert reagieren wird. Bevor wir merken, was passiert, herrscht dicke Luft.

Wahres Problem erkennen

Wichtiger ist es, herauszufinden, was uns ärgert. Ist es etwas wirklich Ärgerliches? Ärgert uns etwas Harmloses, dann gibt es wohl einen tiefer liegenden Konflikt, der noch nicht gelöst werden konnte, sei es mit dieser Person oder mit mir selber.

Wir können selber entscheiden, wie sehr wir uns über eine gewisse Situation ärgern wollen. Kriegen wir Abstand, scheint der Ärger wie von alleine davonzufliegen. Buddha soll gesagt haben: «An Ärger festhalten ist wie wenn du ein glühendes Stück Kohle festhältst mit der Absicht, es nach jemandem zu werfen. Doch derjenige, der sich dabei verbrennt, bist du selbst.»

Seien wir ehrlich: Ein Mann spricht zu laut in sein Telefon, eine Frau frisiert ihre Haare im Café, jemand raucht auf der schönen Seeterrasse. Im grossen Kontext der Dinge sind dies eigentlich Kleinigkeiten. Wir gewinnen viel Energie, wenn wir lernen, uns auf jene Dinge zu konzentrieren, die wirklich wichtig sind. Die Psychotherapeutin Verena Kast sagt in einem Buch: Das ungeliebte und lästige Gefühl des Ärgers ist die grosse Chance zur Veränderung des eigenen Lebens, der eigenen Umwelt – und zur Weiterentwicklung der Persönlichkeit. Es geht also um bewusste Entscheidungen: Gelassen bleiben oder sich ärgern. Reagieren können wir trotzdem, wenn die Situation es erfordert. Mit einer deutlichen und konstruktiven Aussage zeigen wir Zivilcourage.

Kurzantwort

Wenn wir uns über Kleinigkeiten ärgern, steckt dahinter oft ein persönliches Problem, dem man auf den Grund gehen kann. In der Situation selber können wir Abstand gewinnen, indem wir bewusst langsam reagieren. Und uns überlegen, ob eine Reaktion wirklich angemessen ist. Falls ja, bleibt man freundlich und sachlich. (red)

* Margareta Reinecke Luzern /Hildisrieden, Dr. phil., Fachpsychologin für Psycho­therapie FSP, vipp – Verband Innerschweizer Psycholog/innen.

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