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RATGEBER: Kann Milch wirklich die Atemwege verschleimen?

Unsere behinderte Tochter (44) ist seit Geburt im Rollstuhl. Ihr Lieblingsgetränk ist bis heute Kuhmilch. Obwohl die Tochter keine Beschwerden hat, sagen ihre Betreuerpersonen immer wieder, dass Milch nicht so gesund sei und auch die Atemwege verschleime. Wie ist das genau mit der Kuhmilch?
Dr. Med. Marcus Hesse
Produzentenpreise für Milch sollen steigen. (Symbolbild EQ)

Produzentenpreise für Milch sollen steigen. (Symbolbild EQ)

Milchprodukte werden von den meisten Europäern sehr gut vertragen. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung weist eine Überempfindlichkeit auf. Unterschieden wird zwischen Allergie und Unverträglichkeit:

Die Allergie richtet sich gegen die Eiweisse der Milch. Sie ist eher selten, 1 von 40 Kindern ist betroffen und nur 1 von 300 Erwachsenen. Eine Kuhmilchallergie kann bereits bei geringen Mengen schwere Symptome verursachen, meist Magen-Darm-Beschwerden, jedoch sind auch schwere Asthmaanfälle möglich. Betroffene sollten sich weiter allergologisch untersuchen lassen. Da die Eiweisse durch Hitze weitgehend zerstört werden, werden hocherhitzte Milchprodukte von den Betroffenen besser vertragen.

Eine Milchzuckerunverträglichkeit (Lactasemangel/Laktoseintoleranz) ist dagegen häufiger (zirka 15 Prozent aller Menschen in Europa). Diese ist keine Allergie und eigentlich eine normale körperliche Entwicklung: Gesunde Neugeborene bilden ein Enzym (Lactase), das den Milchzucker (Laktose) spaltet, damit er vom Körper aufgenommen werden kann. Dies ist bei Säuglingen sehr wichtig, da diese ja auf Milch angewiesen sind.

Allerdings verlieren die meisten Menschen dieses Enzym als Erwachsene. Asiaten und Afrikaner haben deshalb zu 90 Prozent einen Lactasemangel und eine Milchzuckerunverträglichkeit. Für Menschen, die in früheren Epochen aus wärmeren Regionen nach Europa eingewandert sind, war es dagegen ein Vorteil, das Enzym Lactase zu behalten, denn so konnten sie sich im Winter, wenn weniger Nahrungsmittel vorhanden waren, von den Produkten ihrer Kühe ernähren.

Das war ein Überlebensvorteil, und so entwickelten diese Menschen eine Mutation, durch welche das Enzym Lactase erhalten blieb. Daher tritt eine Milchzuckerunverträglichkeit bei Bewohnern kälterer Regionen wie etwa Nordeuropäern nur im geringen Ausmass auf.

Die Symptome bei der Milchzuckerunverträglichkeit sind meist deutlich geringer ausgeprägt als bei der Allergie, und sie treten erst bei grösseren Mengen Milch auf.

Wer weder einen klinisch relevanten Lactasemangel noch eine Milcheiweissallergie hat, braucht also auf Milchprodukte nicht zu verzichten. Beide Erkrankungen verursachen Symptome und können einfach festgestellt werden.

Dass Milchprodukte bei Menschen, die nicht unter einer Überempfindlichkeit leiden, die Bronchien verschleimen, wurde bisher nie wissenschaftlich nachgewiesen. Ein Abbauprodukt der Milch (Beta-Casomorphin-7), welches während des Verdauungsprozesses entsteht, kann zwar die im Darm vorhandenen Drüsen zu verstärkter Schleimproduktion anregen. Es wurde jedoch in wissenschaftlichen Studien nie nachgewiesen, dass dieses Abbauprodukt vom Darm in die Atemwege transportiert wird.

Allgemein kann man daher sagen: Wer Milchprodukte gut verträgt, kann sie bedenkenlos zu sich nehmen und benötigt auch keine weiteren Untersuchungen. Gleiches gilt letztlich für alle Nahrungsmittel.

Marcus Hesse

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