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Ratgeber

Schimmel: Habe ich ein Recht auf Schadenersatz?

In unserer Dreizimmerwohnung hat sich aufgrund der schlechten Isolierung Schimmel im Schlafzimmer gebildet. Das Zimmer war acht Tage nicht bewohnbar. Zudem mussten wir Möbel entsorgen, neue kaufen und Kleider wegen des Schimmelgestanks waschen. Steht uns nun eine Entschädigung zu?
Hannes Lehmann*
Hannes Lehmann

Hannes Lehmann

Zunächst: Sie haben richtig reagiert und den Schimmel sofort gemeldet, dadurch konnten Sie wohl noch grösseren Schaden abwenden. Erfreulicherweise hat auch Ihr Vermieter nicht gezögert und rasch Fachpersonal aufgeboten.

Im Prinzip stehen Ihnen eine einmalige Mietzinsreduktion und Schadenersatz für Ihren zeitlichen und materiellen Aufwand zu. Hierzu gibt es aber einige Details zu beachten:

Wenn der Schimmel auf einen Baumangel zurückzuführen ist (ungenügende Dämmung, fehlerhafte Baukonstruktion), haben Sie für Ihre verminderte Wohnqualität und Ihre Umtriebe Anrecht auf eine angemessene Mietzinsreduktion (Art. 259 a Obligationenrecht).

Die Mietzinsreduktion kann vom Zeitpunkt an verlangt werden, als der Mangel dem Vermieter bekannt war, bis zu dessen Behebung. Diese orientiert sich an der tatsächlichen Beeinträchtigung Ihres Miet­objektes. Als Grundlage wird jeweils die Paritätische Lebensdauertabelle hinzugezogen, welche gemeinsam vom Hauseigentümerverband und vom Mieterverband erarbeitet wurde und die Gerichtspraxis miteinbezieht. Vergleichbare Fälle gehen von einer einmaligen Reduktion von 20 bis 30 Prozent vom Nettomietzins aus.

Art. 259 e OR sieht einen Schadenersatz durch den Vermieter für Ihren Aufwand vor. Stellen Sie eine Liste Ihrer Arbeiten, von den jeweiligen Zeitpunkten und deren Dauer zusammen. Üblich ist ein Stundenansatz von ca. 30 Franken.

Quittungen aufbewahren

Zugunsten der materiellen Entschädigung sollten Sie die Möbel erst entsorgen, wenn der Vermieter diese begutachtet hat und sich schriftlich bereit erklärt, den Schaden zu übernehmen. Der Vermieter kann hierzu Ihre Kaufquittungen verlangen, wobei er bloss für den verbleibenden Zeitwert unter Abzug der Altersentwertung aufkommen muss. Falls Sie eine Hausratsversicherung abgeschlossen haben und Ihre Police Feuchtigkeits- und Schimmelschäden nicht ausschliesst, können Sie dieser Ihren Mobiliarschaden melden. Die Hausratsversicherung bezahlt dann den Differenzbetrag vom Zeitwert zum Neuwert.

Können Sie sich mit dem Vermieter nicht gütlich einigen, empfiehlt sich der Schritt an die kantonale Schlichtungsbehörde für Miete und Pacht. Das Verfahren ist kostenlos und kann ohne juristische Kenntnisse bewältigt werden. Ziel ist die aussergerichtliche Einigung unter Einbezug der mietrechtlichen Aspekte. Spätestens zu dem Zeitpunkt lohnt es sich, den Schaden mittels Fotos, Quittungen und Ähnlichem umfassend beweisen zu können.

Noch ein Hinweis: Handeln Sie nicht eigenmächtig, indem Sie den Mietzins selber reduzieren. Dies könnte eine Kündigung wegen Zahlungsverzugs nach sich ziehen.

*BLaw Hannes Lehmann ist Rechtsberater beim Mieterinnen- und Mieterverband Luzern, Nid-, Obwalden, Uri, www.mieterverband.ch

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