Ratgeber

Schulden: Soll ich das Erbe ausschlagen?

Mein lediger Bruder ist überraschend verstorben, ich bin Alleinerbin. In den letzten Jahren hat er Sozialhilfe bezogen und deshalb Schulden gegenüber der Gemeinde. Ich fürchte nun, dass ich mehr Schulden erben würde, als Guthaben vorhanden ist. Soll ich das Erbe ausschlagen? Auf was muss ich achten?

Maurus Scheuber*
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Wenn Sie die Erbschaft Ihres Bruders annehmen, gehen sämtliche Rechte und Pflichten auf Sie über, und die Schulden Ihres verstorbenen Bruders werden zu Ihren persönlichen Schulden. Deshalb lohnt es sich, die Vermögensverhältnisse des Erblassers möglichst detailliert abzuklären.

Ergibt sich aus der Zusammenstellung der verfügbaren Unterlagen, dass die Schulden überwiegen, empfiehlt es sich, die Erbschaft auszuschlagen. Sie haben dafür ab Kenntnisnahme vom Tode Ihres Bruders drei Monate Zeit. Ist die Zahlungsunfähigkeit zum Zeitpunkt des Todes gar offenkundig, wird die Ausschlagung vermutet. Grundsätzlich wird dies bei fürsorgebedürftigen Personen angenommen. In diesem Fall müssten Sie die Annahme der Erbschaft innert derselben Frist von drei Monaten ausdrücklich erklären. Gelingt es Ihnen nicht, einen Überblick zu den finanziellen Verhältnissen Ihres Bruder zu verschaffen, können Sie innerhalb einer einmonatigen Frist seit Kenntnis vom Tod bei der Teilungsbehörde die Errichtung eines öffentlichen Inventars zu verlangen. Die Behörde fordert die Gläubiger und Schuldner auf, ihre Forderungen und Schulden anzumelden. Anschliessend wird ein Verzeichnis mit sämtlichen Vermögenswerten und Schulden der Erbschaft erstellt. Gestützt auf die Informationen im Inventar können Sie anschliessend innert eines weiteren Monats über das Vorgehen entscheiden.

Suchen Sie Rat?

Schreiben Sie an: Ratgeber «Luzerner Zeitung» Maihofstrasse 76, 6002 Luzern E-Mail: ratgeber@luzernerzeitung.ch Bitte geben Sie bei Ihrer Anfrage Ihre Abopass-Nummer an.

Es stehen Ihnen vier Möglichkeiten zur Verfügung. Sie können die Erbschaft vorbehaltlos oder unter öffentlichem Inventar annehmen. Weiter können Sie die amtliche Liquidation verlangen. Schliesslich ist erneut die Ausschlagung der Erbschaft möglich.

Die Annahme unter öffentlichem Inventar empfiehlt sich, wenn ein Vermögensüberschuss resultiert. Eine vorbehaltlose Annahme macht in diesem Stadium kaum mehr Sinn. Die Ausschlagung ist angezeigt, wenn eine klare Überschuldung vorliegt, und die amtliche Liquidation empfiehlt sich, wenn unklar ist, ob nach Bezahlung aller Schulden noch etwas übrig bleibt und ein finanzielles Risiko möglichst verhindert werden soll.

Haftbar für Steuerschulden

Nehmen Sie die Erbschaft unter öffentlichem Inventar an, übernehmen Sie grundsätzlich nur die im Inventar verzeichneten Schulden und haften dafür auch mit ihrem Vermögen. Davon ausgenommen sind aber öffentlich-rechtliche Forderungen, so insbesondere Steuerschulden. Für diese haften Sie, auch wenn sie nicht im Inventar aufgenommen sind.

Verlangen Sie die amtliche Liquidation der Erbschaft, wird ein amtlich ernannter Liquidator eingesetzt, welcher die laufenden Geschäfte des Erblassers abwickelt, das Vermögen feststellt und die Schulden bereinigt. Ein allfälliger Aktivenüberschuss fällt nach Abschluss der Liquidation Ihnen als Erbin zu. Gleichzeitig haften die Erben für allfällige unbekannte Schulden nur, soweit sie aus dem Aktivenüberschuss der Erbschaft Vermögen erhalten haben.

*Mlaw Maurus Scheuber Rechtsanwalt, Brack & Partner AG, Luzern. Infos: www.brackpartner.ch

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