Ratgeber

Selbstständig: Wie organisiere ich die Vorsorge?

Ich bin als Handwerker selbstständig erwerbend (45, m, verheiratet, ein Kind) und überlege mir, eine GmbH zu gründen. Macht dies aus vorsorgetechnischer Sicht auch Sinn? Wie stelle ich die Vorsorge sicher? Muss oder soll ich mich einer Pensionskasse anschliessen?

Patricia Cachin*
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Als selbstständig erwerbende Personen, die keiner Pensionskasse angehört, können Sie Einzahlungen in die «grosse Säule 3a» tätigen: Sie dürfen maximal 20% Ihres AHV- pflichtigen Erwerbseinkommens bzw. maximal 34 128 Franken pro Jahr (2019) in die Säule 3a investieren und vom steuerbaren Einkommen abziehen.

Patricia Cachin.

Patricia Cachin.

Diese Lösung bringt für Sie einerseits viel Flexibilität, weil Sie jährlich je nach Liquidität höhere oder tiefere Einzahlungen vornehmen können, und anderseits auch Steuervorteile. Durch separate Risikoversicherungen können Sie ausserdem Risiken wie Erwerbsunfähigkeit und Todesfall absichern.

Nach der Gründung einer GmbH (oder einer AG) sieht die Situation anders aus:

• Sie sind jetzt Arbeitnehmer Ihrer GmbH bzw. AG und müssen sich ab einem jährlichen Mindesteinkommen von 21330 Franken einer Pensionskasse anschliessen.

• Je nach Vorsorgeplan der Pensionskasse dürfen Sie bis zu 25% Ihres AHV-pflichtigen Einkommens für Ihre Zukunft sparen. Als Arbeitnehmer können Sie weiterhin in die «kleine Säule 3a» einzahlen (aktuell maximal 6826 Franken pro Jahr). Insgesamt dürfen Sie somit viel mehr für Ihre Vorsorge einzahlen, als wenn Sie keiner Vorsorgeeinrichtung angehören.

• Zukünftige Lohnerhöhungen ermöglichen Ihnen ein grösseres Einkaufspotenzial in die Pensionskasse. Mit freiwilligen Einkäufen können Sie fehlende Beitragsjahre bei der PK kompensieren, was bei der reinen 3a-Lösung nicht möglich ist.

• Im Weiteren erlaubt der Gesetzgeber dem Arbeitgeber, sogenannte Arbeitgeberbeitragsreserven (AGBR) zur Finanzierung künftiger Arbeitgeberbeiträge zu bilden. Im Maximum kann der fünffache Jahresbeitrag geäufnet werden. Damit sorgen Sie als Arbeitgeber für schwierigere Geschäftsjahre vor.

• Bei der Versicherung von Risiken wie Erwerbsunfähigkeit oder Tod profitieren Sie von einem günstigeren Kollektiv­tarif und können zudem die Kosten auf die Firma abwälzen.

• Bei der Pensionierung garantiert die Pensionskasse eine lebenslange Altersrente. Es besteht die Möglichkeit, die Auszahlung der PK-Leistung in Kapitalform zu beziehen. Flexible Mischformen von Rente und Kapital sind erlaubt. Vorzeitige bzw. Teil-Pensionierungen können Sie in Etappen flexibel ausgestalten. Bei Säule-3a-Konten gibt es nur Auszahlungen in Kapitalform, eine Etappierung ist aber ebenfalls möglich, sofern Sie mehrere Konten besitzen.

• Als Arbeitnehmer in einer GmbH oder AG sind Sie gegen das Risiko Unfall und Arbeitslosigkeit obligatorisch versichert. Mit der Gründung einer GmbH oder AG gelten Sie neu als Arbeitnehmer und sind deshalb obligatorisch BVG- versichert. Der Anschluss an eine Pensionskasse dürfte sich für Sie aus den oben genannten Gründen lohnen.

* Patricia Cachin ist Expertin für berufliche Vorsorge, Luzerner Kantonalbank;  www.lukb.ch

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