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Sie hält an Beziehungspause fest: Was soll ich tun?

Seit 7 Monaten lebe ich (55) nach 30-jähriger Ehe von meiner Frau getrennt. Sie sagte, sie brauche Freiraum und wolle einige Zeit keinen Kontakt mehr, ausser fest geplanten Standortgesprächen. Ich habe gehofft, dass sich wieder etwas entwickelt. Doch sie sagt jeweils nur, sie brauche noch mehr Zeit. Wie soll das weitergehen?

Eugen Bütler*
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Eugen Bütler

Eugen Bütler

Ihre Verunsicherung und Ihre Frustration sind verständlich. Denn offensichtlich hat Ihre Frau die Kontrolle über das Geschehen übernommen. Daher fühlen Sie sich ausgeliefert. Sie sagt, ob und wann die Beziehung weitergeht.

Ihre Frau ist sich nicht mehr sicher, ob sie nach Jahren der Ehe weiterhin mit Ihnen zusammenbleiben will. Sie braucht Zeit, um sich darüber klar zu werden. Sie braucht Freiraum, um Gefühle und Bedürfnisse zu ordnen. Aus Sicht Ihrer Frau und bezogen auf die existenzielle Frage, die sie stellt, ist ihr Verhalten nachvollziehbar.

Selber Bedingungen stellen

Andererseits scheint der Prozess sehr lange zu dauern. Sie fragen zu Recht, wie das weitergehen soll und wie Sie selber die Situation wieder mitbestimmen können. Ich empfehle Ihnen deshalb, Einfluss zu nehmen, indem Sie ein weiteres Abwarten an Bedingungen knüpfen. So könnten Sie Ihrer Frau eine gemeinsame Paarberatung vorschlagen. Es wäre vielleicht hilfreich, wenn jemand Ihnen weiterführende Fragen stellt.

Kurzantwort

Lässt eine Beziehungspause, die der Partner initiiert hat, die Zukunft allzu lange offen, muss man aktiv werden. Dazu gehört eine Frist, wann man selber einen Schlussstrich zieht. Man sollte sich auch fragen, was man von einer Partnerschaft will. Dies hilft, falls die Beziehung doch weitergeht. Oder im Hinblick auf eine neue. (are)

Wichtig ist auch, dass Sie sich selber klar darüber werden, wie lange Sie noch warten können oder wollen. Wann ist für Sie die Zeit gekommen, selber einen Schlussstrich zu ziehen? Ein solcher Entscheid erfordert einen Prozess des Loslassens. Es lohnt sich aber für Sie, diese Grenze zu ziehen. Sie erlangen damit zumindest teilweise die Kontrolle über das Geschehen zurück.

Eine zeitliche Limite müsste nicht bedeuten, dass Sie alle Kontakte zu Ihrer Frau abbrechen oder dass zwischen Ihnen definitiv Schluss ist. Es könnte aber bedeuten, dass Sie selber beginnen, Ihr Leben neu zu ordnen, sich eventuell für eine neue Partnerin zu öffnen.

Suchen Sie Rat?

Schreiben sie an: Ratgeber, Luzerner Zeitung, Maihofstrasse 76, 6002 Luzern. Email: ratgeber@luzernerzeitung.ch. Bitte geben Sie bei Ihrer Anfrage Ihre Abopass-Nummer ein.

Ich denke, es ist das eine, Ihrer Frau die nötige Zeit zu lassen, und das andere, das Leben quasi «im Wartezimmer» oder als «Reserve im Vorratsschrank» zu verbringen. Dazu würde ich mich an Ihrer Stelle nicht hergeben. Wenn Ihre Frau Ihnen glaubwürdig erklären kann, warum sie noch etwas Zeit braucht und wie viel, dann werden Sie wohl Sinn darin erkennen. Wenn sie aber über längere Zeit einfach nur sagt, sie brauche halt noch Zeit, dann empfehle ich Ihnen, wie erwähnt selber aktiv zu werden.

Chance für eigene Wünsche

Es könnte sich auch lohnen, einmal Ihre eigenen Wünsche an eine Partnerschaft und eine Liebesbeziehung zu notieren: Wie müsste sich Ihre Partnerin verhalten, damit Sie sich selber glücklich fühlen? Welche Vorstellungen verbinden Sie mit einer neuen Partnerschaft, sei es mit Ihrer jetzigen Frau oder einer neuen Partnerin? Diese können sich auf die aktuelle Phase wie auch auf die Zukunft beziehen. Teilen Sie ihr diese mit. Sie werden im Laufe der Zeit sehen, ob Ihre Frau darauf eingeht. Wenn nicht, empfehle ich Ihnen, Ihr Leben vorerst und dann auf Dauer ohne die Noch-Ehefrau zu planen. Auf Dauer ist der Schmerz einer Veränderung besser zu ertragen als eine dauernde Ungewissheit.

Eugen Bütler ist psychologischer Berater, diplomierter Ergotherapeut und bietet Einzel- sowie Paarberatungen an; wwww.buetlercoaching.ch

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