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Ratgeber

Sind Pilze aus der Nähe von Tschernobyl noch verstrahlt?

Wie jeden Herbst bieten Grossverteiler Pilze aus Weissrussland, Litauen etc. an. Teils aus wenigen hundert Kilometern Entfernung zu Tschernobyl. Kann man diese Pilze ohne Bedenken essen?
Herbert Huber*

Gemäss Auskunft eines der grössten Pilzimporteure der Schweiz sind zwar noch gewisse «Verstrahlungswerte» da, diese sollen aber im Bereich der Grenzwerte für Cäsium liegen. Pilze aus Ländern der Oststaaten werden vor Ort für den Export zertifiziert. Und in der Schweiz nachkontrolliert. Trotz Rekordernte hierzulande wurden auch dieses Jahr Pilze aus Russland, Polen, Rumänien, Litauen etc. importiert.

Herbert Huber

Herbert Huber

Die Grossverteiler sind auf Pilzimporteure angewiesen. Die Wälder der Oststaaten sind riesig. Das Pilzvorkommen ebenso. Und die Pilze werden, bevor diese die Schweizer Grenze passieren, strengstens kontrolliert. Das Gesetz sagt: Wer wild gewachsene Speisepilze für die Abgabe an Dritte erntet, importiert, verarbeitet oder verkauft, ist gemäss Art. 26 des Lebensmittelgesetzes für deren Qualität zuständig. Niemand sollte es sich leisten können, etwas zu liefern, das nicht den Vorschriften entspricht. Da sind unsere Gesetze sehr streng.

Ökologisch bedenklich?

Letztendlich entscheidet der Konsument, Pilze aus diesen Ländern zu kaufen. Ich tue es aus ökologischer Sicht – lange Transportwege – nicht, und weil ich ab und zu von einer passionierten Pilzsammlerin mit frisch gepflückten Pilzen beglückt werde.

Man unterscheidet zwischen Zucht -und Wildpilzen (Edelpilzen). Letzteres sind Eierschwämme, Herbsttrompeten, Kantarellen, Morcheln, Mousseron, Semmelstoppel, Steinpilze und Trüffel. Damit kein Pilzdurcheinender entsteht, konzentriere ich mich bei Ihrer Frage auf Steinpilze und Eierschwämme.

Was die Schweiz betrifft: Wenn die Pilze nach einer Hitzeperiode und anschliessendem Regen aus dem Boden schiessen – dann werden unsere Wälder von Pilzsuchenden, auch aus den Nachbar­ländern, scharenweise heimgesucht. Wie viele Pilze pro Tag und pro Person gepflückt werden dürfen, ist per Gesetz geregelt. Wer darüber hinaus «erntet», wird saftig gebüsst. Das heisst, es sind fleissig Kontrolleure unterwegs. Vor allem in grenznahen Gebieten.

Die erlaubten Mengen sind kantonal geregelt. Ein Beispiel: In Nidwalden ist das Sammeln von Pilzen ausserhalb der Schutzgebiete für den Eigengebrauch gestattet. Die erlaubte Menge beträgt für Steinpilze ein Kilo pro Person und Tag, für Eierschwämme sind es 500 Gramm. Organisierte Veranstaltungen zum Sammeln von Pilzen sind verboten.

Was den Pilzschutz in den einzelnen Kantonen betrifft, so sind detaillierte Bestimmungen in den Pilzschutzverordnungen der einzelnen Gemeinden festgehalten. So kann man im Internet nach Informationen zu Schontagen, Sperrgebieten oder auch der jeweiligen maximalen Ernte pro Person und Tag suchen.

Die so gepflückten Pilze finden meistens privat ihr glückliches Ende in der Pfanne. Danach auf dem Toast, im Pastetli oder im Risotto. Würde ein Hobby-Pilzsammler einem Wirt direkt liefern, müssten diese Pilze kontrolliert werden, damit konsumierende Gäste das Pilzgericht auch sicher überleben. Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser. Übrigens: Gedörrte Pilze munden intensiver. Und Tiefgefrieren eignet sich für Eierschwämme nicht.

* Herbert Huber aus Stansstad ist Gastronom und Hotelier sowie Autor des Buches «Geschichten und Gekochtes. Tanz mit der Gastronomie», erschienen im Werd-Verlag

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