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STIL: Wie stellt man nervige Klugscheisser ruhig?

Auf einer Gruppenreise gab es zwei Klugscheisser unter den Reiseteilnehmern: Jeder noch so kleinste Beitrag in einer Gesprächsrunde oder die Erklärungen der Reiseleiterin mussten kommentiert sein! Warum meinen einige Menschen, ihre Ansichten seien derart wichtig, dass es ohne diese nicht gehe?
Irène Wüest Häfliger
Claudio Zanetti, Nationalrat SVP, zeigt mit dem Zeigefinger an der Podiumsdisskusion zur "No Billag" zwischen den Gruenen und der SVP, fotografiert am Donnerstag, 18. Januar 2018, in Zuerich. (KEYSTONE/Melanie Duchene) (Bild: Themenbild: Melanie Duchene / Keystone)

Claudio Zanetti, Nationalrat SVP, zeigt mit dem Zeigefinger an der Podiumsdisskusion zur "No Billag" zwischen den Gruenen und der SVP, fotografiert am Donnerstag, 18. Januar 2018, in Zuerich. (KEYSTONE/Melanie Duchene) (Bild: Themenbild: Melanie Duchene / Keystone)

Wir kennen sie alle: Menschen, die immer Recht haben wollen. Die grundsätzlich das letzte Wort haben, alles kommentieren und korrigieren müssen. Die zu allem eine andere Meinung haben, keinen Vorschlag annehmen können, sondern selbstredend eine bessere Idee parat haben.

Grundsätzlich ist es positiv, jemandem etwas zu erklären und sein Wissen preiszugeben, insbesondere wenn ich in meinem Fachgebiet grosses Wissen mitbringe. Wird dieser Wissensvorsprung jedoch zu häufig und vor allem falsch eingesetzt, beginnt Besserwisserei. Dann fährt Dr. Oberschlau schon bald dem andern übers Maul, bläht sich auf, stellt sich über ihn, um sich besser fühlen zu können, nach dem Motto: «Ich bin richtig, du bist falsch.» Oft wird gar Bestätigung für das besserwisserische Verhalten verlangt im Stile von: «Du musst doch einsehen, dass ich Recht habe!» Keine gute Ausgangslage für eine fröhliche Reisegruppe oder ein zielführendes Gespräch. Es nervt und ist anstrengend.

Wie kommt es, dass Menschen sich derart wichtig nehmen? Der wahrscheinlich häufigste Auslöser ist ein geringes Selbstwertgefühl. Das Gefühl, andere verbessern zu können und «Fehler» bei ihnen zu entdecken, hilft den Besserwissern dabei, ein besseres Bild von sich selbst zu erhalten. Die eigene Unsicherheit wird dadurch überspielt, dass andere schlechter gestellt werden.

Sucht nach Anerkennung

Ein anderer Auslöser könnte die Sucht nach Anerkennung sein. Dr. Oberschlau nutzt sein Wissen, um sich vor seinem Umfeld aufzuspielen. Durch die Besserwisserei wird dem Ego geschmeichelt. Das kann süchtig machen, da der Klugscheisser von seinem Gehirn durch einen positiven Hormoncocktail «Gut gemacht!» belohnt wird, wenn er sich erfolgreich mit seinem Wissen zur Schau gestellt hat. Das gute Gefühl soll natürlich reproduziert werden – und wird schnell zur Gewohnheit.

Wie sich am besten gegenüber Besserwissern verhalten?

— a) Kontern: Wenn Sie Dr. Oberschlau rhetorisch gewachsen sind, können Sie ihm mit Fakten, Argumenten und Fragen entgegenhalten. Bleiben Sie aber sachlich und ruhig.

— b) Direkt ansprechen: Besserwisser sind sehr auf die eigene Person bezogen. Suchen Sie oder der Reiseleiter mit ihm das persönliche Gespräch. Machen Sie deutlich, wie Sie sich fühlen, wenn jeder Satz kommentiert, kritisiert, verbessert wird. Lassen Sie ihn wissen, dass die Gruppe seine Art der Kommentare nicht benötigt. Dass Sie explizit um seinen Rat bitten werden, wenn seine Expertise gefragt ist. Im Weiteren dürfen Sie der Person auch vermitteln, dass Sie gerne einen Reiseteilnehmenden und keinen Klugscheisser dabei haben möchten.

— c) Ignorieren: Ignorieren Sie die Kommentare. Üben Sie sich in Gelassenheit! Klugscheisser können nur nerven, wenn eine Reaktion erfolgt. Also, lassen Sie es egal sein und denken Sie: «Armer Kerl, kannst einfach nicht anders!» Lächeln Sie in sich hinein, und atmen Sie tief durch. Gelingt es dem Besserwisser nicht, sich aufzuspielen, verliert er den Ansporn.

Irène Wüest Häfliger

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