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Unser Sohn macht zu viel ausserhalb der Schule

Unser Sohn (17) besucht das Gymnasium. Er trainiert dreimal wöchentlich Leichtathletik und spielt auch ein Instrument. Am Wochenende ist Ausgang mit Freunden angesagt. Allmählich leiden die Schulleistungen, eine Repetition droht. Mein Mann plädiert für Selbstverantwortung, ich möchte eher Grenzen setzen. Was ist richtig?
Dr. Phil. Josef Jung, Hitzkirch
Freizeitaktivitäten (Symbolbild) (Bild: Keystone)

Freizeitaktivitäten (Symbolbild) (Bild: Keystone)


Das Verhalten Ihres Sohnes ist nicht unüblich für dieses Alter. Es erinnert mich an den Refrain eines Queen-Songs: « … hear the cry of youth … I want it all and I want it now …». Es ist ein Privileg der Jugendzeit, das ganze Leben im Hier und Jetzt zu verlangen und leben zu wollen. Es gibt so viel zu entdecken, zu erleben, auszuprobieren usw. Die Begrenzung erfolgt dann früh genug in der Erwachsenenzeit.

Nun hat Ihr Sohn zum Glück zwei Erwachsene an seiner Seite, denen dies Sorgen bereitet. Sie sind sich offenbar aber nicht einig, ob Sie mehr die Selbstverantwortung oder die Grenzen betonen sollen.

Wurzeln und Flügel

Ich würde sagen: nicht entweder oder, sondern beides. Folgende Lebensweisheit, die in verschiedenen Kulturkreisen zu finden ist, drückt dies aus: «Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.» Es braucht einerseits den Halt – und zwar in seiner doppelten Bedeutung v on gehalten werden und Einhalt gebieten. Und andererseits die Unterstützung beim Fliegen, um Neues zu entdecken, auszuprobieren.

Ich schlage Ihnen vor, dass Sie sich zunächst als Eltern über die beiden Pole – Selbstverantwortung und Grenzen – unterhalten. Wo und wie viel Selbstverantwortung wollen Sie Ihrem Sohn innerhalb welcher Grenzen geben? Wenn Sie eine Balance gefunden haben, suchen Sie als Eltern mit Ihrem Sohn das Gespräch.

Schildern Sie ihm, was Sie beobachten. Teilen Sie ihm mit, welche Schlussfolgerungen Sie daraus ziehen und welche Sorgen in Ihnen dies auslöst. Lassen Sie sich nicht mit vollmundigen Versprechungen und Beschwichtigung seinerseits – «Alles im Griff, kein Grund zur Sorge» – abspeisen, sondern stellen Sie klare Bedingungen auf der Tatebene: etwa, dass das eine oder andere nur noch eingeschränkt stattfindet, bis Ihr Sohn den Tatbeweis liefert, dass er in der Schule nicht mehr von einer Wiederholung bedroht ist. Falls er das Gymnasium verlassen möchte, braucht es andere Tatbeweise, wie das Suchen und Finden (!) von Praktika, Schnupperlehren, Lehrstellen usw.

Bald wieder am gleichen Ort

Abraten möchte ich Ihnen, ihm einfach so eine Repetition zu erlauben. Das würde vermutlich nur zu mehr von dem führen, was Ihnen bereits jetzt Sorgen macht: Freizeitaktivitäten. Der Schulstoff ist ihm zu Beginn des Repetitionsjahres bereits bekannt und wird von ihm womöglich als langweilig empfunden. In einem Jahr sind Sie dann wieder an demselben Punkt, aber unter massiverem Druck.

Sollte eine Repetition wahrscheinlich werden, weil der Rückstand zu gross ist, müsste sich Ihr Sohn diese erst «verdienen»: Er müsste deutlich mehr für die Schule tun, sodass die Leistungen in den Tests über längere Zeit wieder steigen und konstant über dem Repetitionsniveau bleiben. Sollte er dann den verlangten Durchschnitt im Sommer trotzdem nicht erreichen, hat er immerhin gezeigt, dass er wieder genug für die Schule arbeitet. Dann mag eine Repetition sinnvoll sein.

Dr. phil. Josef Jung, Hitzkirch

Fachpsychologe für Psychotherapie FSP

www.psychotherapie-jung.ch

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