Ratgeber

Unsere Kinder gehorchen nur, wenn ich sie anschreie

Manchmal bin ich (w, 38) am Verzweifeln. Unsere Kinder (Sohn 8-jährig/Tochter 5-jährig) gehorchen oft nicht. Sachliches Argumentieren oder strenges Zurechtweisen helfen nicht. Erst wenn ich laut werde und sie anschreie, funktioniert es besser. Das will ich aber nicht, ich fühle mich schlecht danach. Was kann ich sonst tun?

Dr. phil. Josef Jung
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Das, was Sie beschreiben, erleben viele Eltern: Zu Beginn mag das etwas strenge Zurechtweisen noch geholfen haben. Danach hat sich vermutlich ein Gewöhnungseffekt eingestellt. Die Kinder scheinen Sie allenfalls noch als störendes Geräusch, aber ohne Bedeutung für ihr Handeln wahrzunehmen.

Dr. phil. Josef Jung.

Dr. phil. Josef Jung.

Sie müssen also etwas tun. Wenn Sie die Dezibelstärke Ihrer Stimme erhöhen, unterbricht dies das Muster vermeintlich, und Sie erreichen die Kinder wieder. Bis zum nächsten Gewöhnungseffekt … Doch dieses Vorgehen entspricht nicht Ihrer Vorstellung von Erziehung.

Zunächst müssen Sie beachten, dass Sie in solchen Situa­tionen gegenüber den Kindern einen Vorsprung haben. Sie haben sich ja bereits überlegt, was Sie möchten. Vermutlich ahnen die Kinder noch nichts davon und werden erst mit Ihrer Anweisung damit konfrontiert. Die Kinder sind aber in eine eigene Tätigkeit vertieft, müssen dazu gebracht werden, innezuhalten und ihre Aufmerksamkeit auf Sie zu richten.

Sie berichten, dass «sachliches Argumentieren» oft nicht hilft. Sie pochen also auf Lernen durch Einsicht. Dies ist ein höher entwickelter Lernvorgang und wirkt bei Kindern nicht zuverlässig. Sogar wir Erwachsene sehen viele Dinge ein und verhalten uns dennoch anders.

Kinder sind oft gar nicht in der Lage, zu begreifen, was Sie mit einer Erklärung bezwecken. Sie lernen wie auch Erwachsene effektiver über die Erfahrung. Also müssen Sie auf die Handlungsebene gehen.

Auf Augenhöhe gehen

Statt Ihre Forderung immer lauter zu wiederholen, unterbrechen Sie Ihre Tätigkeit. Gehen Sie auf Augenhöhe mit dem Kind und stellen Sie Augenkontakt her. Das Kind merkt dann, dass es gemeint ist, und kann Sie nicht mehr als ärgerliches Geräusch abtun, das es mit einem «Ja, ja» zum Schweigen bringen kann.

Wenn die Aufmerksamkeit des Kindes ganz bei Ihnen und nicht mit Nebengeräuschen (TV, Spielkonsole usw.) geteilt wird, teilen Sie dem Kind mit, was Sie wollen und bis wann. Beides haben Sie sich vorher überlegt.

Dann lassen Sie sich vom Kind eine «Quittung» geben: Sie fordern es auf, zu wiederholen, was Sie verlangt haben. So erhalten Sie Gewissheit, dass die Mitteilung angekommen ist.

Quittung auch zurück

Wenn das Kind die Anweisung umgesetzt hat, braucht es seinerseits eine «Quittung». Das bedeutet, ihm wertschätzend zurückzumelden, dass es Ihre Forderung erfüllt hat. Häufig wird dies vergessen, weil das Kind nun offenbar begriffen hat, was Sie als selbstverständlich ansehen. Ohne Feedback besteht die Gefahr, dass das Kind nicht lernen kann und das alte Muster bald wieder auftritt.

Wenn es nicht auf Anhieb funktioniert, nehmen Sie es mit Geduld und Humor: Kinder geben Ihnen wieder eine Chance, unliebsame Muster zu unterbrechen. Beobachten Sie, weshalb es das eine Mal geklappt hat und das andere Mal wieder nicht. Daraus ziehen Sie Schlüsse, wie Sie nächstes Mal effektiver vorgehen können.

Dr. phil. Josef Jung, Hitzkirch, eidg. anerkannter Psychotherapeut,
www.psychotherapie-jung.ch.

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