Ratgeber

War die Stent-Implantation
bei mir wirklich nötig?

In den letzten Wochen habe ich (m, 68) in diversen Medien gehört, dass allgemein zu viele Stents eingesetzt werden, obwohl das sehr oft gar nicht nötig sei. Da bei mir im letzten Herbst wegen verengter Herzkranzgefässe zwei Stents eingesetzt wurden, bin ich nun verunsichert. Wie beurteilen Sie die Implantation von Stents?

PD Dr. med. Georg Fröhlich*
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Im November 2019 wurde eine Studie (Ischemia) vorgestellt, bei der Angina pectoris-Patienten entweder nur medikamentös (vor allem Cholesterin-Senkung) oder mit einer Stent-Implantation und Cholesterin- Senkung behandelt wurden. Die Resultate wurden in vielen Medien leider undifferenziert und stark vereinfacht so interpretiert, dass Stents zu einem grossen Teil unnötig seien. Dies hat – wie Sie auch – viele Patienten verunsichert.

PD Dr. med. Georg Fröhlich

PD Dr. med. Georg Fröhlich

Zu Ihrem persönlichen Fall kann ich nichts sagen, da ich keine Details kenne. Dafür aber ein paar allgemeine Fakten: In der Schweiz erleiden jährlich etwa 30000 Menschen einen Herzinfarkt. Dabei kommt es zu einer «Verstopfung» eines Herzkranzgefässes durch ein Blutgerinnsel, Cholesterinablagerungen oder Verkalkungen.

Bereits ab dem 20. Lebensjahr kommt es zu ersten Ablagerungen an den Blutgefässen. Je mehr Risikofaktoren bestehen (vorab Bluthochdruck, hohes Cholesterin, Übergewicht, Rauchen, Diabetes, genetische Veranlagung), umso schneller schreitet dieser Prozess voran und kann unter anderem zu einem Herzinfarkt führen.

Die Akuttherapie bei einem Herzinfarkt erfolgt durch eine rasche Wiedereröffnung des verschlossenen Herz-Blutgefässes mittels Herzkatheteruntersuchung. Dabei wird ein kleiner Ballon über eine Arterie bis zur Verschlussstelle am Herzen vorgeschoben und die Verengung aufgeweitet. Danach wird ein Stent (Maschengitter) als Stütze für das Blutgefäss implantiert, um es langfristig offenzuhalten.

Bei Herzinfarkten ist die Stentimplantation also lebensrettend. Die weitere Therapie besteht in einer optimalen Kontrolle der oben beschriebenen Risikofaktoren, insbesondere einer aggressiven Cholesterinsenkung, um erneute Ablagerungen zu verhindern.

Angina pectoris: Engegefühl in Brust,
Atemnot, Leistungsminderung

Verengungen in den Herzgefässen führen aber nicht immer zum Herzinfarkt. Oft verspüren Patienten bei Anstrengung ein Engegefühl in der Brust und Luftnot, oder sie bemerken eine Leistungsminderung. Das sind Symptome von Angina pectoris.

In der Ischemia-Studie wurde nur diese Patientengruppe untersucht. Dabei konnte gezeigt werden, dass die Patienten durch Stents rascher wieder beschwerdefrei wurden. In einem Beobachtungszeitpunkt von zwei Jahren wurde das Risiko, einen spontanen Herzinfarkt zu erleiden, durch Stents reduziert.

Was auch stimmt: Bei stark veränderten Herzgefässen kann durch die medikamentöse Therapie alleine längerfristig eine Stabilisierung erreicht werden. Eine medikamentöse Auflösung der Ablagerungen ist jedoch nicht möglich.

Weil die Studienergebnisse nicht völlig neu sind, werden Stents heute zurückhaltender implantiert. Damit sie nicht unnötig eingesetzt werden, gibt es Methoden (etwa die Druckdrahtmessung), um während der Herzkatheteruntersuchung genau zu definieren, ob der Patient von einer Stent-Implantation profitiert.

PD Dr. med. Georg Fröhlich ist Kardiologe an der Herz Clinic Luzern, Hirslanden-Klinik St. Anna, www.herzclinic-luzern.ch

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