Ratgeber

Warum ist das Corona-Virus auch eine Gefahr fürs Herz?

Nach Herzinfarkt und Stent-Implantation vor einem halben Jahr gelte ich (m, 55) als Corona-Risiko-Patient. Ich halte mich an die Empfehlungen, aber mir ist nicht klar, weshalb sich das Virus aufs Herz auswirkt.

PD Dr. med. Georg Fröhlich*
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Vielen Dank für Ihre Frage, die in dieser und auch ähnlicher Form an unserer Klinik in den letzten Tagen häufig gestellt wird. Erst einmal eine positive Anmerkung zum Corona-Virus (Sars-CoV-2) und zur damit verbundenen Erkrankung (Covid-19): Die überwiegende Zahl der Infektionen (über 80%) verläuft bisher moderat, meist mit grippeähnlichen Symptomen, unter anderem Husten (55%), Fieber (39%), Schnupfen (28%), Halsschmerzen (23%) oder Atemnot (3%). Die Zahlen stammen vom Robert-Koch-Institut.

PD Dr. med. Georg Fröhlich

PD Dr. med. Georg Fröhlich

Neben einer ausgeprägteren Symptomatik kommt es bei etwa 3 bis 6% der positiv getesteten Personen zu lebensbedrohlichen Verläufen mit Lungen- oder multiplem Organversagen. Schwere Verläufe können in jedem Alter auftreten, ab etwa 60 Jahren steigt das Risiko jedoch kontinuierlich an, und bei über 85-Jährigen kann die Sterberate auf über 25 Prozent steigen.

Neben dem Alter gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu den wichtigsten Risikofaktoren für einen ungünstigen Verlauf, insbesondere bei Patienten mit Verengungen an den Herzgefässen (z.B. nach Stent oder Herz-Operation). Nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall ist das Risiko ebenso erhöht wie bei Herzschwäche, Bluthochdruck, Diabetes oder deutlichem Übergewicht. Da Covid-19 primär eine Infektion der Atemwege ist, sind auch Raucher und Patienten mit Asthma oder COPD einem erhöhten Risiko ausgesetzt. Weiter zu nennen sind schwere andere Organerkrankungen (z.B. Leber, Nieren, Krebs, Störungen des Immunsystems – auch z.B. Einnahme von Cortison).

Vorsicht, auch wenn sich ein Herzpatient fit fühlt

Es kann zwar auch bei Risikopatienten mildere Verläufe von Covid-19 geben, aber welche das sind, lässt sich nicht abschätzen. Auch wer sich als Risikopatient fit fühlt, sollte sich daher wie Sie strikt an die Empfehlungen des BAG halten: Möglichst zu Hause bleiben, Hygienemassnahmen, Kontakte minimieren (auch zu Kindern und Enkeln), Abstand von zwei Metern wahren ausser bei Personen, die im selben Haushalt leben.

Die von Ihnen aufgeworfenen Fragen bezüglich Herz sind nicht einfach zu beantworten. Bislang gibt es zum neuen Virus noch wenige gesicherte Daten, und das Geschehen ist sehr komplex. Eine mögliche Erklärung: Sars-CoV-2 bindet an einen Rezeptor, welcher sowohl in der Lunge wie auch am Herz-Gefässsystem, an der Immunabwehr und auch bei Diabetes eine Rolle spielt.

Weiter ist denkbar, dass das Virus direkt die Herzmuskelzellen schädigen kann, im Sinne einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis), die für ein vorgeschädigtes Herz speziell belastend sein könnte.

Elementar ist, dass Herzpatientinnen und Herzpatienten nicht von sich aus ihren Therapieplan abändern oder gar Medikamente absetzen. Konsultieren Sie bei Unsicherheit unbedingt telefonisch Ihren Hausarzt oder Ihren Kardiologen. Er kann Sie auch beraten zu einer Impfung gegen Grippe, die auch jetzt noch Sinn machen kann, und gegen Pneumokokken, die ihrerseits eine Lungenentzündung verursachen können.

* PD Dr. med. Georg Fröhlich ist Kardiologe an der Herz-Clinic Luzern, Hirslanden-Klinik, St. Anna, www.herzclinic-luzern

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