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Warum kommt mir häufig etwas in den «falschen Hals»?

Ich (w, 65) bekomme in letzter Zeit zunehmend etwas in den «falschen Hals». Früher kannte ich das nur selten, aber jetzt tritt das häufig auf und ist sehr unangenehm, weil man lange husten muss. Hat das etwas mit dem Alter zu tun oder allgemein mit der Gesundheit? Kann es sein, dass es im Hals nicht mehr richtig abdichtet?

Prof. Dr. med. Stephan Haerle*
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Normalerweise verschliesst sich beim Schlucken der Zugang zur Luftröhre, damit Speichel, Speisen und Flüssigkeiten in die Speiseröhre und von dort in den Magen gelangen. Das funktioniert Hunderte Male pro Tag einwandfrei, ohne dass wir uns Gedanken dazu machen.

Prof. Dr. med. Stephan Haerle.

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Ab und zu kommt es aber vor, dass der Zugang zur Luftröhre während des Schluckens leicht geöffnet bleibt, etwa weil wir gleichzeitig sprechen oder lachen. Dann «verschluckt» man sich, wobei der sofort einsetzende Hustenreflex verhindert, dass der Fremd­körper zu tief in die Luftröhre eindringt. Bei anhaltenden Schluckbeschwerden, wie Sie es beschreiben, spricht man von einer Schluckstörung, auch Dysphagie genannt. Diese kann ganz unterschiedliche Ursachen haben, die im Gehirn, in den Nerven oder in den Muskeln zu suchen sind. So kann sowohl eine Koordinationsstörung vorliegen, die neurologisch bedingt ist, es können aber auch eine Schwellung oder ein Tumor der Grund für den gestörten Schluck­vorgang sein. Daneben gibt es tatsächlich auch eine mit dem Älterwerden auftretende Veränderung des Schluck­vorgangs. Dabei kann der Abbau der Muskelmasse, verbunden mit einem Kraftverlust und einer Verlangsamung der Schluckphasen, für anhaltende Beschwerden sorgen.

Anhaltende Schluckstörung abklären lassen

Grundsätzlich sollten neu auftretende Schluckbeschwerden – also eine anhaltende Störung – genauer abgeklärt werden, um eine folgenschwere Erkrankung auszuschliessen. Am besten informieren Sie Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt und lassen abklären, ob eine Überweisung an eine Fachperson im Bereich der Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten (HNO) angezeigt ist.

Ohne Ihren Fall individuell beurteilen zu können, lässt sich sagen, dass diese Art von Beschwerden häufig bei ­Patientinnen und Patienten auftritt, die ein Übermass an Magensäure im Hals aufweisen. Vielleicht ist Ihnen der Begriff «Reflux» bekannt. Er bezeichnet den Rückfluss von Säure aus dem Magen in die Speiseröhre. Das kann vorkommen, wenn im Magen zu viel Säure produziert wird oder wenn der Schliessmuskel zwischen Speiseröhre und Magen nicht richtig funktioniert. Folgen sind saures Aufstossen, ein Druckgefühl oder sogar Schmerzen im Brust- und Halsbereich.

Was viele nicht wissen: Es gibt auch den «stillen Reflux», bei dem die erwähnten körperlich spürbaren Symptome grösstenteils ausbleiben. Trotzdem kann die Speiseröhre entzündet und geschwollen sein, was sich in vielen Fällen auch durch Schluckbeschwerden bemerkbar macht. Diesem Problem kann mit einer Ernährungsumstellung, mit mehr körperlicher Bewegung oder mit der Einnahme von Medikamenten entgegengewirkt werden. Auch hier lohnt sich eine fachärztliche Abklärung.

* Prof. Dr. med. Stephan Haerle ist Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, Zentrum für Kopf-Hals-Chirurgie, Hirslanden-Klinik St. Anna, Luzern.

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