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Ratgeber

Warum konnte ich plötzlich kein Wasser mehr lösen?

Weil es keine funktionierende Toilette im ganzen Eisenbahnzug gab, musste ich (m, 72) den sich bemerkbar machenden Harndrang lange unterdrücken. Als ich endlich am Zielbahnhof ankam und auf die Toilette wollte, ging gar nichts mehr. Stattdessen landete ich schliesslich in einer Notfallpraxis. Weshalb kann das sein?
Cornelius Lenggenhager*

Die Harnblase als Speicherorgan für den Urin funktioniert wie ein dehnbarer Ball, der sich bei zunehmender Füllung weitet. Als Organ besteht die Harnblase aus einem Geflecht von in mehreren Lagen angeordneten Muskelfasern. Die Innenfläche der Harnblase ist mit einer speziellen und äusserst dehnbaren Schleimhaut überzogen.

Füllt sich die Harnblase mit Urin, dehnen sich die Schleimhaut und die Muskelfasern so, dass das zunehmende Volumen durch den sich ansammelnden Urin gefasst werden kann. Diese Blasenfüllung löst früher oder später einen Harndrang aus, der anzeigt, dass nun die Blase entleert werden sollte.

«Verpasst» man diesen Zeitpunkt, um Wasser zu lösen, füllt sich die Blase weiter, und die Muskelfasern werden weiter gedehnt.

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Schreiben sie an: Ratgeber, Luzerner Zeitung, Maihofstrasse 76, 6002 Luzern. Email: ratgeber@luzernerzeitung.ch. Bitte geben Sie bei Ihrer Anfrage Ihre Abopass-Nummer ein.

Im Extremfall kann das so weit gehen, dass sich diese wie ein überdehntes Gummiband nicht mehr zusammenziehen können. Ein Entleeren der Harnblase ist dann nicht mehr möglich.

Quälend und schmerzhaft

Es kommt zur sogenannten Harnverhaltung, wie im obigen Fall beschrieben. Eine solche Harnverhaltung stellt immer einen urologischen Notfall dar, da es neben dem quälenden Harndrang zu massiven Blasenschmerzen kommt. Die unverzügliche Einlage eines Blasenkatheters zur Blasenentleerung, ist angezeigt.

Weshalb vor allem Männer betroffen sind

Die häufigste Ursache für eine Harnverhaltung ist eine Prostatavergrösserung. Deshalb sind vor allem Männer davon betroffen. Weitere Ursachen der Harnverhaltung können narbige Verengungen der Harnröhre und des Blasenhalses, neuro­gene Erkrankungen der Harnblase, Medikamente, Tumore, Steine und Blutungen sein.

Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Bei der Prostatavergrösserung wird primär versucht, dass Wasserlassen medikamentös zu verbessern. Führt dies nicht zum Erfolg, muss die Prostata operativ (meist ohne Schnitt) über die Harnröhre ausgeschält werden.

Andere mechanische Ursachen wie Steine und narbige Verengungen werden direkt chirurgisch angegangen. Bei neurogenen Ursachen wie beispielsweise multiple Sklerose, Morbus Parkinson, Demenz und Diabetes mellitus erfolgt nach sorgfältiger neurologischer Abklärung die Therapie in erster Linie medikamentös.

Nicht sofort aufs WC – aber auch nicht zu lange warten

Grundsätzlich sollte dem Wasserlassen – wie auch der Stuhlentleerung – genügend Raum und Zeit zugemessen werden. Es sollte darauf geachtet werden, die Harnblase nicht bereits beim ersten Anzeichen eines Harndranges zu entleeren. Dies kann auf Dauer zu einer kleinen Blasenkapazität führen. Umgekehrt sollte die Blase auch nicht sozusagen «auf den letzten Drücker» entleert werden, da dann daraus die Ausbildung einer übergrossen Blase oder eben einer Harnverhaltung resultieren kann.

*Dr. med. Cornelius Lenggenhager ist Facharzt FMH für Urologie, spez. Operative Urologie, www.hirslanden.ch

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