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Ratgeber

Was steckt hinter unerträglichen Blasenschmerzen?

Ich (w, 80) habe vor allem nachts starke Schmerzen in der Blasengegend und der Harnröhre, beginnend mit dem Wasserlösen. Die Schmerzen sind kaum auszuhalten und können stundenlang anhalten. Salben, Schmerztabletten, krampflösende Medikamente helfen wenig. Einige Ärzte glauben an ein «psychisches Problem».
Thomas Leippold*

Schmerzen im Unterleib, loka­lisiert hinter oder unmittelbar über dem Schambein mit Brennen und Stechen beim Wasserlösen, können viele Ursachen haben. Meistens besteht zusätzlich eine Reiz­blase, das heisst eine überaktive Blase mit vermehrtem Harndrang bis zu unwillkürlichem Wasserverlust und gehäuftem nächtlichem Wasserlösen.

Die Urinportionen sind üblicherweise klein. Frauen und Männer können von diesen Symptomen aufgrund unterschiedlicher Erkrankungen der Harn- und Geschlechtsorgane betroffen sein.

Blasenentzündung ausschliessen

Als Erstes gilt es, eine akute Blasenentzündung aufgrund einer bakteriellen Infektion auszuschliessen oder diese gegebenenfalls antibiotisch zu behandeln. Wiederkehrende Blaseninfektionen und anhaltende Symptome sollten von einem Spezialarzt abgeklärt werden.

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Nach den Wechseljahren können zum einen östrogenhaltige Präparate lokal sowie ein Immunstimulans auch wiederkehrenden Blasenentzündungen entgegenwirken.

Erhöhte Restharnmengen nach dem Wasserlösen begünstigen bakterielle Entzündungen und Schmerzen. Beckenbodenschwäche mit Vorwölbung der Blase nach vaginal, eine Schädigung der Blasenmuskulatur oder der Innervation der Blase stören die Entleerung der Blase. Ein einfacher genitaler Untersuch, Ultraschall bis zu komplizierten Blasendruckmessungen führen zur Diagnose.

Wenn Medikamente nicht mehr helfen

Die Wirksamkeit von Medikamenten stösst oft an Grenzen. In diesem Fall können operative Verfahren, Neurostimulation bis hin zum Einsatz von Blasenkathetern angezeigt sein.

Eine Blasenspiegelung ge­hört zur Abklärung, denn Blasen­krebs kann zu anhaltenden Schmerzen im Unterleib und überaktiver Blase führen, auch wenn schmerzlos Blut im Urin das typische Symptom dafür ist. Aktive und ehemalige Raucher sind davon vermehrt betroffen.

Manchmal findet sich keine Ursache

Es gibt aber auch chronische Entzündungen der Harnblase ohne Nachweis von Bakterien oder einer konkreten Ursache. Entzündungshemmende und krampflösende Medikamente helfen nicht immer ausreichend. Betroffene fühlen sich in solchen Fällen oft missverstanden, da kein konkreter Befund für die vorhandenen Beschwerden da ist, trotzdem können diese die Lebensqualität massiv einschränken.

Die Gewissheit, dass sich hinter Beschwerden unmittelbar keine gefährliche Erkrankung wie Krebs verbirgt, kann oft schon sehr helfen. Unter Umständen ist ein multidisziplinäres Vorgehen mit Einbezug eines Schmerzspezialisten sinnvoll. Dazu gehört letztlich, nach Ausschluss einer körperlichen Ursache, der Blick auf mögliche psychosomatische Mechanismen, denn die Blase ist auch eine Projektionsfläche der Seele.

*Dr. med. Thomas Leippold Facharzt FMH für Urologie, spez. Operative Urologie und Neuro-Urologie, Urologie am Stephanshorn; Belegarzt an der Klinik Stephanshorn, St.Gallen. Infos: www.hirslanden.ch

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