Ratgeber

Die Angst vor Corona lässt mich einfach nicht los

Auch wenn es nun erste Lockerungen gibt: Die Corona-Krise macht mir weiterhin stark zu schaffen. Ich habe Angst um mich selber, spüre oft Druck auf meiner Brust. Meine Ärztin sagt jedoch, es sei alles in Ordnung. Wenn ich schlafen gehen will, beginnen meine Gedanken zu drehen. Ich lebe allein. Wie kann ich das überstehen?

Hildegard Pfäffli*
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Hildegard Pfäffli.

Hildegard Pfäffli.

Bei vielen Menschen löst die Situation rund um das Coronavirus Ängste aus. Das ist verständlich. Obwohl die Krise wohl irgendwann überstanden sein wird, sollten Sie Ihre Ängste und die damit verbundenen Beschwerden ernst nehmen. Angst will uns immer etwas sagen. Und es wäre falsch, diese Informationen über unsere aktuellen Bedürfnisse, Wünsche und Sehnsüchte auf stumm zu schalten.

Angst ist eine normale Reaktion, wenn wir uns bedroht fühlen. Stellen Sie sich vor, jemand steht mit gezückter Pistole vor Ihnen. Blitzschnell wird Ihr Alarmsystem hochgefahren, alle Kräfte werden aktiviert. Das hilft, aus der Gefahr zu kommen. Bei Corona kann etwas Ähnliches geschehen, auch wenn wir nicht unmittelbar in Lebensgefahr sind. Doch Sie haben im Moment vermehrt Zeit, weil Sie gewohnten Tätigkeiten nicht nachgehen können. In dieser Zeit beschäftigt Sie vermutlich auch die Corona- Krise. Damit ist die Gefahr verbunden, dass Sie in eine Negativspirale geraten. Dabei gilt es nun, etwas Abstand zu gewinnen und den Stress in Grenzen zu halten.

Tagesstruktur einhalten

Was kann das konkret heissen? Essen Sie gesund, und trinken Sie nur gemässigt Alkohol. Halten Sie Ihre Tagesstruktur aufrecht, insbesondere den Schlafrhythmus. Vielleicht mögen Sie sich einen Tagesplan erstellen, wo Sie das, was für Ihre physische und psychische Gesundheit gut ist, wie auch tägliche Aufgaben eintragen und abhaken können.

Bleiben Sie körperlich aktiv, zu Hause mit Ihren Fitnessübungen und draussen unter Einhaltung der BAG- Regeln. Bewegung hilft, die Alarmreaktion zu mildern. Achten Sie bei allen Tätig­keiten auf Ihren Atem, atmen Sie bewusst tief aus – das Einatmen kommt von allein.

Pflegen Sie Kontakte auch via Telefon oder Internet. Tauschen Sie sich dabei bewusst über andere Themen als Corona aus, erzählen Sie einander auch von Positivem, etwa von dem, was Ihnen gut gelingt. Und versuchen Sie auch, miteinander zu lachen.

Nicht zusätzlich schlafen

Schränken Sie die Zeit bewusst ein, in welcher Sie sich über Corona informieren. Lenken Sie Ihre Gedanken immer wieder ab mit Dingen, die Sie positiv stimmen. Zögern Sie auch nicht, fachliche Hilfe zu holen in dieser auch für die Seele herausfordernden Zeit.

Noch etwas zur Schlaf­hygiene: Schlafen Sie nicht länger als sonst. Zwei Stunden vor Schlafenszeit sollten thematisch Corona-frei sein, also auch keine News. Sonst wird Ihr Alarmsystem wieder aktiviert, und damit lässt sich schlecht einschlafen. Wählen Sie, was Ihnen guttut: etwa Abendspaziergang, Entspannungsbad, Meditationsübung.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie einmal auf die Krise zurückblicken und sagen können: «Ich habe diese anspruchsvolle Zeit gemeistert und dabei Dinge gelernt, die für mein ganzes Leben wichtig bleiben.»

* Hildegard Pfäffli ist Stellenleiterin bei Elbe, Fachstelle für Lebensfragen; www.elbeluzern.ch

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